Jagd- und Beutefangverhalten beim Hund

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„Kopflose“ Hunde beim Buddeln…

Wer kennt es nicht…? Der Hund buddelt sich nach Australien. Er zeigt Sequenzen aus dem Jagdverhalten.

Dies kann aber auch auf andere Weise geschehen, in der Interaktion mit Artgenossen. Und dann wird es oft als problematisches Verhalten beschrieben, weshalb Hundehalter einen Verhaltenstherapeuten aufsuchen oder aber auch in Facebook-Gruppen Fragen dazu stellen. Durch eine solche Diskussion wurde ich inspiriert, meine eigenen Gedanken dazu in einen Blogbeitrag zu verpacken.

Es wurde beschrieben, wie ein größerer Hund (Mix mit mindestens einer Jagdhund-Rasse) einen kleinen Terrier „ohne Vorwarnung“ im Halsbereich packte und schütteln wollte. Dabei habe er nicht einmal vorher geknurrt. Die Frage dazu lautete, ob es sich dabei um Dominanz handeln könne. Die Hunde waren angeleint und der Terrier ist auf den größeren Hund zugegangen.

Ich verneinte dies und beschrieb das Verhalten als eines aus dem Beutefangverhalten. Das Packen im Nacken- oder Halsbereich mit anschließendem Schütteln wird in Tötungsabsicht, mindestens aber mit der Absicht, den anderen zu verletzen, gezeigt. So behandelt ein Hund seine Beute. Und da wird auch nicht vorher geknurrt. Kein Raubtier warnt die Beute mit Knurren vor, um ihr vielleicht einen Vorsprung zu geben…!?

Das Wort „Tötungsabsicht“ wirkte in der Diskussion wie ein Trigger.

Wie könne ich einem Hund Tötungsabsicht unterstellen..!? Ja, wie kann ich bloß? Natürlich kann ich das, wenn er das entsprechende Verhalten zeigt.

Nun verstehe ich sehr gut, daß ein Hundehalter dieses Bild seines Hundes so nicht gezeichnet haben möchte. Wer will schon eine tötende Bestie an der Leine haben. Wenn man sich aber bewußt macht, was man da an der Leine führt, verliert diese Formulierung auch ganz schnell wieder ihren Schrecken. Ich vermute, der beschriebene Hund wollte im Tiefsten seines Herzens keinen anderen Hund töten. Was auch immer dieses Verhaltensmuster auch ausgelöst hat, der kleine Terrier kam mit dem Schrecken davon und wurde auch nicht verletzt (zumindest nicht körperlich). Demnach wurde diese Verhaltenssequenz gehemmt gezeigt. Und in der Interaktion unter Hunden erleben wir ganz oft gehemmte Sequenzen aus dem Jagd- und Beutefangverhalten.

Schon Welpen üben sich untereinander in den verschiedenen Verhaltensweisen. Der Kehlbiß wird geübt, es wird sich gegenseitig in die weiche Haut im Nacken gebissen und es wird auch ansatzweise geschüttelt. Man jagt sich gegenseitig und man beißt in die Hinterläufe, um den anderen zu Fall zu bringen. Dies geschieht alles spielerisch und zu Übungszwecken.

Auch erwachsene Hunde spielen mitunter so miteinander. Allerdings können Situationen auch schnell kippen und aus der spielerischen Sequenz wird plötzlich Ernst. Der Hundehalter muß für solche Momente geschult sein. Und er muß wissen, was Jagd- und Beutefangverhalten eigentlich ist, um es zu erkennen. Und er sollte erkennen können, wann der eigene Hund ernsthaftes Jagd- und Beutefangverhalten zeigt. Ein kleiner, flüchtender Hund kann schnell mit Beute verwechselt werden und das Hetzverhalten beim Hund auslösen.

Nun heißt es weitläufig, Beutefangverhalten wird NUR ausgelöst, wenn die vermeintliche Beute sich entfernt, also flieht. Ein potentielles Beutetier würde schließlich niemals auf den Feind zugehen. Das kann ich nicht bestätigen. Und jeder Hundehalter kennt die suizidale Nachbarskatze, die sich dem Hund fauchend in den Weg stellt und alles andere tut als zu flüchten.

Meine Hündin stöbert gerne Mäuse auf (siehe Foto oben). Nicht, um sie zu töten. Läuft die Maus vor ihr herum, guckt sie nur und weicht ihr sogar eher aus. Das jagdliche Verhalten des Buddelns und Aufstöberns zeigt sie oft und gerne, aber vollenden würde sie es nie. Nun hab ich schon einige Mäuse beobachtet, die meinem Hund zwischen den Pfoten herumlaufen. Sind doch Beutetiere, die müssen doch flüchten. Nein, tun sie nicht pauschal.

Und auch meine Meerschweinchen, die ja per se Fluchttiere sind, flüchten nicht vor meinem Hund. Sie kommen an den Gehegerand, machen Männchen und beschnüffeln die Nase meines Hundes. Ein jagdlich ambitionierter Hund würde da ganz sicher auch reinbeißen (obwohl sie NICHT wegrennen).

Man sollte das Verhalten seines Hundes auch immer als das sehen, was es ist. Sich etwas schön zu reden, hilft niemals bei der Lösungsfindung. Habe ich einen Hund, der Jagd- und Beutefangverhalten zeigt und bin ich mir dessen bewußt, hab ich schon den ersten Schritt getan, daran zu arbeiten. „Tötungsabsicht“ ist kein böses Wort. Es beschreibt ein Verhalten, welches dem Überleben dient. Ohne Beute kein Futter, ohne Futter keine Energie. Manchmal wird dieses Verhalten fehlgelenkt und auf Dinge oder Artgenossen übertragen, wo wir es so ganz bestimmt nicht haben wollen. Aber es kommt eben vor. Auch meine Hündin wurde schon „Opfer“ in einem lockeren Jagdspiel. Plötzlich fiel der andere Hund vom spielerischen Jagen in eine ernste Jagdsequenz und biß meiner Hündin in den Hinterlauf, sodaß sie jaulte und sich anschließend unter einer Bank versteckte. Hier konnte schnell eingegriffen werden und Schlimmeres wurde verhindert. Ich hab das auch keinesfalls überbewertet, auch wenn der andere Hund in dem Moment Tötungs- oder Verletzungsabsicht hatte. Wäre die Leine nicht geflogen, hätte er sicher richtig zugepackt und sie zu Fall gebracht. Die Verletzung mag ich mir nicht weiter ausmalen. Wir haben schnell reagiert, es ist außer dem Schreck nichts weiter passiert. Sowas kommt nunmal vor, wenn Hunde miteinander interagieren. Die beiden Hunde kennen sich noch heute und verstehen sich gut (wir sind Nachbarn).

Liebe Grüße

BETTY

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Ist der Hund ein Rudeltier…?

Nein, ist er nicht. Eine provokante Aussage, oder? Merke ich immer wieder in diversen Diskussionen, wenn ich anmerke, daß der heutige Haushund kein Rudeltier (mehr) ist und es wahrscheinlich seit Beginn der Zucht und Selektion durch den Menschen nie war. Empörte Reaktionen erntet man dann. Und ich muß mir anhören, wie dumm ich wäre und woher ich mein Wissen denn hätte.

Also im Grunde ist es gesunder Menschenverstand und es basiert auf eigenen Beobachtungen. Und nicht zuletzt tut es ein Blick ins Tierschutzgesetz. Dort ist die artgerechte Haltung eines Tieres genannt. Was heißt artgerecht? Dass ich es seiner Art gerecht halten muß. Bedeutet für ein Rudeltier, daß ich mindestens ZWEI Exemplare halten muß, um nicht gegen das Tierschutzgesetz zu verstoßen. Jeder einzeln gehaltene Hund wäre somit ein Verstoß gegen unser Tierschutzgesetz. Ist jemandem ein Fall bekannt, wo das geahndet wurde? Mir nicht…

Und wer lebt mit nur einem einzelnen Hund zusammen und empfindet diese Konstellation als harmonisch und glücklich? Wer ist zudem noch mit einer ausgeprägten Leinenaggression gegen Artgenossen gesegnet oder hat seine liebe Mühe mit einem Hund, der im Freilauf am liebsten alle andere vermöbelt? Sind diese Hunde wirklich Rudeltiere, die nur in einem Rudel artgerecht und glücklich gehalten werden können?

Dazu gibt es einen interessanten und schlüssigen Artikel der Polarhunde-Nothilfe, aus dem ich zitieren möchte.

Quelle: https://www.polarhunde-nothilfe.com/Wissen/wissen_body.htm?https://www.polarhunde-nothilfe.com/Wissen/allgemein/wissen_Aufs_Kreuz_gelegt.htm

Zitat:

„Hunde sind semi-solitäre Lebewesen, die einzeln, in Pärchen oder in Gruppen leben. Ihre soziale Struktur ist mit denen von Kojoten als Hundeartige zu vergleichen. Je nach Nahrungsangebot leben sie in Gruppen oder aber schlagen sich alleine oder mit einem Partner durch die Gegend. Da nun auch Studien nahelegen, dass der Hund nicht vom heutigen Grauwolf direkt abstammt, sondern ihn eine gemeinsam Abstammung von einem „Urahn“ verbindet, ist es durchaus logisch, dass sich beide Arten in ihrer Sozialstruktur unterscheiden.

Auch der Wolf zeigt sich durchaus flexibler, selbst in freier Wildbahn. Das Phänomen der „Casanova-Wölfe“, die sich nicht auf eine feste Paarbindung einlassen, erinnert an den nicht-monogamen Haushund.“

Semi-solitär, also im Grunde Einzelgänger, die in der Lage sind, flexible Bindungen (auch artübergreifend) einzugehen. Günther Bloch hat dies auch in seinem Buch „Die Pizza-Hunde“ so geschildert. Er hat verschiedene, lockere Bindungen bei den Straßenhunden beobachtet, die je nach Lebenslage variieren und nur dazu dienen, das eigene Überleben zu sichern. Dazu besteht noch ein entscheidender Unterschied zwischen lockeren Verbänden einzelner Straßenhunde und einem familiär gewachsenen Rudel. Oft beschriebene Kämpfe haben völlig andere Motivationen.

Mal der Vergleich „natürliches Rudel“ und „Zweckverband Straßenhunde“…:

Die Kämpfe, die man bei Straßenhunden beobachtet hat, drehen sich in 99% der Fälle um Ressourcen, beispielsweise Futter oder auch eine läufige Hündin. Bei Straßenhunden gilt es zu überleben. Und zwar für jeden einzelnen. Der Zweckverband, also Hunde, die sich zusammenschließen, ist meist eine lockere Gruppe ohne festen Bezug. Das kann täglich wechseln. Es ist kein Rudel im natürlichen Sinne, aber dazu gleich. Geht es auf der Straße um Futter, ist sich jeder selbst der nächste. Jeder einzelne will überleben und dann kommt es zu Kämpfen. Ebenso bei der Fortpflanzung. Es geht nicht um das Überleben eines Rudels, sondern um das Überleben jedes einzelnen. Jeder Rüde will für sich die Hündin decken, um das eigene Erbgut weiterzugeben. Auch da kann es Kämpfe geben um die Ressource „Hündin“ bzw. „Fortpflanzung“.

Jetzt der Vergleich zum natürlichen Rudel: Dieses besteht aus den Elterntieren und dem Nachwuchs. Bei Futter miteinander zu kämpfen oder gar die Nachkommen auszuschließen, ergibt überhaupt keinen Sinn. Das würde das Überleben des Rudels gefährden. Im natürlichen Rudel (Familie) geht es ums Überleben ALLER. Sonst wäre das einzelne Individuum verloren. Demnach ergibt es keinen Sinn, Rudelmitglieder von der Nahrungsaufnahme auszuschließen oder darum zu kämpfen. Das passiert im Rudel auch nicht.

Bei der Fortpflanzung ist es ebenso. Eine Hündin wird gedeckt und die anderen werden meist zur gleichen Zeit heiß und dann auch scheinschwanger, oder besser gesagt gehen sie in die Scheinmutterschaft, um den Nachwuchs sitten zu können, wenn das Muttertier beispielsweise jagt oder ihm gar etwas zustößt. Dies sichert das Überleben des Rudels. Es geht nicht um das Überleben eines einzelnen (der alleine verloren wäre), sondern um das Überleben der Gemeinschaft. Daher gibt es auch keine Kämpfe um die Ressource „läufige Hündin“. Normaler Weise wird das erfahrene Weibchen gedeckt, weil diese am besten das Überleben sichern kann. Kommt es zwischen einem der Schnösel (Nachwuchs) mal zu Kämpfen, sind das in der Regel nur Kommentkämpfe, ohne Beschädigungs- oder gar Tötungsabsicht. Der unterlegene verlässt zumeist das Rudel, wandert ab und baut ein neues, eigenes Rudel mit einer Hündin auf.

Anders eben auf der Straße, wo sich einzelne Individuen miteinander arrangieren müssen und keiner wirklich für den anderen einsteht (oder einstehen muß), weil es sich nicht um Familienverbände halndelt. Dort wird auch sehr ernst gekämpft und das andere Tier schwer verletzt und getötet. Das hat mit natürlichem Verhalten in einem Rudel nichts zu tun. Auf engem Raum in den Städten, wo man versucht, sich in der Nähe von Nahrungsquellen aufzuhalten und darum konkurriert, sieht die Welt ganz anders aus als in einem Rudel, das genug Platz hat, ein großes Revier mit ausreichendem Nahrungsangebot für alle Rudelmitglieder.

Beide Lebensformen sind NICHT miteinander vergleichbar.

Ein weiteres Zitat aus obigem Link:

„Mensch und Hund: biologisch kein Rudel!

Der Hund weiß genau: Wir sind keine Hunde! Sowohl geruchlich als auch optisch ist das für den Hund ein klarer Fall. Wir müssen uns also nicht „verhundlichen“, ein gut sozialisierter Hund nimmt viele unserer groben Bewegung nicht mal mehr als Bedrohung wahr. Natürlich kann man darauf achten, einen Hund nicht anzustarren oder uns über ihn zu beugen, aber mehr müssen wir uns nicht zum Hund machen – denn oft machen wir uns nur zum Affen damit.

Hundliche Maßregelungen dienen obendrein nicht der Erziehung. Zumindest nicht so, wie der Mensch Erziehung definiert. Ein einmaliges Abschnappen der Mutterhündin wird beim Welpen nur selten dazu führen, dass er sein Verhalten komplett löscht. Findige Hundekinder stellen das Verhalten ihrer Mutter gegenüber ab, behalten die Verhaltensweise aber ansonsten bei.

Überträgt man das auf Hund-Halter-Teams, wird einem schnell klar: Maßregle ich meinen Hund, wird er wohlweislich das Verhalten mir gegenüber nicht mehr zeigen, unter der Oberfläche ist es aber noch da.

Hunde wissen, wie sie einen Aggressor beschwichtigen, egal ob dieser ein Hund oder ein Mensch ist.“

Rudel existieren ausschließlich innerartlich und bestehen aus miteinander verwandten Tieren. Es sind Familien und sie sind auch so aufgebaut. Es herrscht keine hierarchische Dominanz, wie sie heute gerne von selbsternannten „Rudelführern“ propagiert wird. Die Elterntiere sorgen für den Nachwuchs, bieten Schutz und sorgen dafür, daß die Bedürfnisse befriedigt werden. Der Mensch kann mit einem Hund kein Rudel bilden. Wenn ich mir Wellensittiche halte, bin ich auch nicht Teil des Schwarmes. Trotzdem kann ich eine Beziehung zu einem Wellensittich aufbauen und ihm sogar etwas beibringen. Ich kann erreichen, daß der Vogel mir vertraut. Der weiß dennoch, daß ich kein Vogel bin.

Und der Hund weiß ebenso, daß wir Menschen sind. Hunde verstehen uns Menschen sogar besser, als wir die Hundesprache. Wir sind für ihn also auch kein Ersatzrudel.

Und kennt nicht jeder aus eigener Erfahrung Hunde, die so gar keinen Wert auf Kontakt zu Artgenossen legen…? Oder die gar aggressiv auf andere Hunde reagieren? Oder die Tierheim-Hunde, die explizit nur in Einzelhaltung vermittelt werden, weil sie unverträglich sind?

Natürlich gibt es unzählige Hunde, die glücklich und zufrieden mit Artgenossen zusammenleben. Aber es gibt auch diese, die da gerne drauf verzichten können. Die Bezeichnung „Rudeltier“ trifft auf den Hund allerdings nicht zu. Ein Hund leidet nicht, wenn er allein gehalten wird. Ein Hund bevorzugt sogar den Menschen als Sozialpartner gegenüber einem anderen Hund. Das haben Studien bewiesen. ( Nachzulesen bei Adam Miklosi, „Hunde – Evolution, Kognition und Verhalten“ )

Liebe Grüße

BETTY

www.betty.one

Erklärungen eines Hundeflüsterers

Jeder Trainer sollte seinen Kunden natürlich Hundeverhalten erklären können und er sollte auch erklären können, warum er Dieses oder Jenes tut oder dazu rät. Einer, der im TV sehr präsent ist und sich selbst „Hundeflüsterer“ nennt, greift dabei oft zu besonders absurden Erklärungen. Den schlimmsten möchte ich mich mal widmen.

„A pinched tail creates fear. I hold it like that…“

…sagt er und hält die Rute des Hundes nach oben.

Aha…!? Eine eingeklemmte Rute führt also dazu, daß der Hund Angst hat. Wenn ich sie hoch halte, verschwindet auch die Angst. Klingt das logisch? Nein, ganz und gar nicht. Die Stellung der Rute spiegelt die Stimmung, bzw. die Emotion des Hundes. Das Gehirn sendet ein Signal (Angst) und der Körper reagiert mit nicht bewusst steuerbaren Verhaltensweisen. Beispielsweise wird die Rute unter den Bauch gezogen. Das ist eine Reaktion auf die Emotion. Nicht andersrum…! Wenn ich die Rute nun hoch halte, sieht der Hund vielleicht nicht mehr so ängstlich aus. Die Emotion verändere ich aber nicht. Dieser „Hundeflüsterer“ glaubt tatsächlich daran, wenn man mit Zwang die Körperhaltung des Hundes verändert, verändert sich auch seine Emotion.

„Look at the eyes. In the state of fight they turn to green.“

Hundeaugen leuchten also grün, wenn der Hund in den Kampf-Modus schaltet. Man muß nur auf die Augen achten und man sieht sofort, wann der Hund bereit ist, anzugreifen.

Bei meiner leuchten sie blau. Was bedeutet das nun? Es mag ja sein, daß sich der Schimmer in den Augen je nach Stimmung verändert. Geweitete Pupillen lassen mehr Licht durch und je nach Lichteinfall können die Augen einen farblichen Schimmer bekommen. Mit der Stimmung des Hundes hat das aber nichts zu tun (zumindest nicht primär). Pupillen weiten sich aus den unterschiedlichsten Gründen. Einem Hundehalter zu raten, er solle auf die Augen seines Hundes achten, weil er daran ablesen könne, dass er in den Kampf-Modus schaltet, klingt dermaßen absurd.

Sandras - a

„We need the state of panic, because the brain switches to relaxation.“

Das war eine Aussage während er einen Hund bis zur Erschöpfung im Pool schwimmen ließ. Der Hund war offenbar ungeübt im Schwimmen, fühlte sich deutlich unwohl und paddelte quasi um sein Leben. Und nun meint der „Hundeflüsterer“, man bräuchte noch den Zustand der Panik. Das sei gut für das Gehirn, damit es auf Entspannung umschalten könne. Ernsthaft…!? Wer von meinen Lesern nickt jetzt zustimmend mit dem Kopf und sagt sich „Yes, der Mann hat Plan. Das kann ich nachvollziehen?“. Ich muß einen Hund in den Zustand der Panik bringen, damit er sich entspannt. Da dieser „Hundeflüsterer“ desöfteren die psychische und physische Aufgabe des Hundes (auch „erlernte Hilflosigkeit“ genannt) mit Entspannung verwechselt, wundert mich diese Aussage nicht. Lerntheoretisch ist sie völliger Blödsinn.

„This dog is dominant and became the packleader, because he is unsure.“

Muß ich dazu noch etwas sagen, oder kommt der geneigte Leser selbst drauf? Der Hund ist dominant und übernimmt die Rudelführung, weil er unsicher ist. Wie kann man sich in EINEM Satz derart widersprechen…!? Und die Halter sitzen auf dem Sofa, lächeln und nicken. Weil das so furchtbar logisch klingt? Oder weil der „Hundeflüsterer“ es mit einer solchen Überzeugung und einem gewinnenden Lächeln rüberbringt? Ich glaube eher an Letzteres. Wer auch nur eine Sekunde über diesen Satz nachdenkt, muß einfach zu dem Schluss kommen, dass da inhaltlich was nicht stimmen kann.

Ich könnte ewig so weitermachen, aber ich beende das mit meinem Lieblingssatz dieses „Hundeflüsterers“:

„I didn’t see that coming…“

Den hat er nicht nur einmal gesagt und es wundert mich nicht. Er provoziert einen Hund mit Futteraggression bis auf’s Äußerste. Der Hund weicht zurück, beschwichtigt deutlich und sichtbar. Er bedrängt ihn weiter, bedrohlich, zischt und knufft den Hund. Als er dann (fälschlicher Weise) ausführt, der Hund entspanne sich nun, will er mit der Hand, die vorher gemaßregelt hat, streicheln und der Hund beißt zu. Hat er nicht kommen sehen. Völlig klar. Wenn man Hundesprache nicht ansatzweise versteht und sich selbst derart überschätzt, kann man unmöglich voraussehen, daß der Hund im nächsten Moment beißen wird.

In einer anderen Szene läßt er einen artgenossenaggressiven Hund ungesichert in seinem „Rudel“ laufen. Er hat ja schließlich mit seiner Energie alles im Griff. Es entsteht eine angespannte Situation, der Hund wird kurz steif und schiebt seinen Kopf über den Rücken eines anderen. Und BÄÄMMM, gibt es eine Beißerei, bei der beide Hunde verletzt werden. Auch da haut er es wieder raus:

„I didn’t see that coming…“

Ein Armutszeugnis für einen Hundetrainer, dem man seinen Hund anvertraut hat. Und der nun verletzt aus einer Beißerei herausgeht, weil der Trainer es nicht hat kommen sehen.

Liebe Grüße

BETTY

www.betty.one

Quellenangabe zu den Aussagen:

Die Aussage, der Hund sei dominant und der Rudelführer, weil er unsicher sei, stammt aus Staffel 4, Folge „Hula“ (italienisches Windspiel):

https://www.youtube.com/watch?v=cffj0vOBWsc

Die Aussage, eine eingeklemmte Rute muß man hochhalten, dann verschwindet die Angst, stammt aus der Folge „Jake – Imprisoned Dog“ und dies sagte er auch bei einem Viszla, der in der Stadt Angst hatte und dem er sogar die Rute mit einem Leinenkonstrukt hochgebunden hat. Ebenfalls stammt die Aussage aus der Folge „Babygirl“.

https://www.youtube.com/watch?v=9iUeD4oxGLs&t=24s

Die Aussage zum Zustand der Panik stammt aus „Cesar 911 – Folge Opal“ (leider nicht mehr in kompletter Länge zu finden, läuft aber am 16.04.2017 auf Sixx):

https://www.youtube.com/watch?v=qfTZv1g6GOM

Und „I didn’t see that coming“ stammt u.a. aus der berühmten und berüchtigten Folge „Holly“:

https://www.youtube.com/watch?v=9ihXq_WwiWM&t=5s

Daß Hundeaugen einen grünen Schimmer bekommen, bevor der Hund in den Kampfmodus schaltet, erklärte Cesar in einer Folge auf einem Flughafen. Dort wurden 4 Hunde in einzelnen Zwingern gehalten und zu Spürhunden ausgebildet. Ein Labrador mischte die anderen auf und reagierte aggressiv besonders auf den deutschen Schäferhund. Die Folge finde ich leider online nicht. Sie lief Anfang des Jahres auf Sixx.