Was ist eigentlich „Konditionierung“?

Klassische Konditionierung:

Ein „Verhalten“ tritt immer mit einem Reiz auf. Verhalten in Häkchen, weil es bei der klassischen Konditionierung um Reaktionen geht, die der Hund nicht bewusst steuern kann. Beispiel eines Hundes, der Angst bei Gewitter hat. Es wird dunkel und beginnt zu regnen. Damit hat der Hund klassisch das nahende Gewitter verknüpft und beginnt zu hecheln und zu zittern. Dieses „Verhalten“ kann ich nicht abrufen. Also Kommando „Zittern“ und der Hund beginnt bewusst zu zittern.

Du selbst kannst beispielsweise eine Gänsehaut nicht bewusst und gewillt bekommen. Sag Dir, Du möchtest JETZT Schnatterpelle kriegen. Funktioniert nicht, es braucht den auslösenden Reiz. Diesen Reiz kann man gegenkonditionieren, indem man der angstauslösenden Situation (nahendes Gewitter in dem Beispiel) etwas Angenehmes hinzufügt und so das negative GEFÜHL überlagert.

Operante Konditionierung:

Der Hund zeigt ein Verhalten, welches ich mit einem Signal belege. Hier tatsächlich VERHALTEN, welches er selbst bewusst herbeiführen kann. Zum Beispiel ein „Sitz“. Der Hund kann entscheiden, setze ich mich oder nicht. Tut er es mal zufällig und ich belohne es, wird er es öfter zeigen und ich kann es mit einem Signal belegen. Dieses Verhalten kann ich abrufen.

Auch wir Menschen sind operant konditioniert. Beispiel Klingeln. Wir gehen zur Tür und öffnen, wenn es klingelt. Das kann ich ganz bewusst steuern. Ich kann auch entscheiden, nicht zur Tür zu gehen. Aber wenn das Telefon klingelt, gehe ich dran und wenn es an der Tür klingelt, öffne ich.

Wir sind aber auch klassisch konditioniert. Wir ekeln uns beispielsweise vor einer Spinne und bekommen Gänsehaut. Begebe ich mich in Therapie und konditioniere diesen Ekel gegen, kann ich erreichen, mit einer Spinne etwas Angenehmes zu verbinden (Gummibärchen essen) und die Reaktion wird überlagert (Gänsehaut bleibt aus).

Operante Konditionierung

Reiz = Klingel / Signal Sitz

Verhalten = Öffnen / Popo runter

************************************************

Während bei der klassischen Konditionierung…

Reiz = Gewitter

Emotion = Angst

Reaktion = Zittern/Hecheln

Weitere lesenwerte Artikel rund um das Thema „Konditionierung“:

Andreas Canis von Canis Pacalis:

„Konditionierung? Was ist das überhaupt? Teil 1

Im Laufe meiner hundlichen Ausbildung begegnete mir das große K- Wort . Groß, weil darum oft ein riesiges Galama gemacht wird. Die einen sagen: „ Erziehen hat nichts mit Konditionierung zu tun“, die anderen: „ Erziehung IST Konditionierung“ .

Und ich stehe als Neuling da, mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn. Deswegen habe ich mich mit den unterschiedlichen Facetten des K-Wortes auseinandergesetzt.

Was bei rausgekommen ist? Lest selbst!“

Klassische Konditionierung Teil 1

Klassische Konditionierung und Emotionen Teil 2

Operante Konditionierung Teil 3

Anne Rosengrün hat zum Thema auch einen lesenwerten und verständlichen Artikel verfasst:

„Immer nur über positive Verstärkung arbeiten? Geht das? Leider muss ich sagen: Nein! Um es zu verstehen, muss ich etwas weiter ausholen. Jedes Säugetier lernt gleich: Klassische und Operante Konditionierung sind zwei wichtige Lernformen. In diesem Artikel lassen wir die anderen Lernformen außen vor. Auch klassische Konditionierung können wir zur Beantwortung der Frage: „Kann ich immer über positive Verstärkung mit meinem Hund arbeiten?“ unbeachtet lassen.“

Immer nur positive Verstärkung?

Ich hoffe, die Ausführungen und Verweise bringen Licht ins Dunkel der Konditionierung. So sollte nun auch klar sein, dass KEIN Hundetrainer ohne Konditionierung arbeitet / arbeiten kann, auch wenn er es behauptet.

Liebe Grüße

BETTY

http://www.betty.one

Starkzwangmittel im Hundetraining

starkzwangmittel

Zunächst vielen Dank an Andreas von „Canis Pacalis“, dass ich auf die Infos der Seite zugreifen darf. Die obigen Bilder sind einem .pdf-Dokument entnommen, das sich mit Starkzwangmitteln und der entsprechenden rechtlichen Betrachtung befasst. Erschienen bei „Canis Pacalis“.

Es kann hier heruntergeladen werden: Starkzwangmittel

E-Collars bei Cesar Millan

Oft wird man mit der Aussage konfrontiert, Cesar Millan verwende keine E-Collars.

Er arbeitet nur damit, wenn es beim Besitzer bereits vorhanden ist. Das mag ab und an tatsächlich der Fall sein, aber die ganze Wahrheit ist es nicht.

In einem Interview äußert es sich selbst eindeutig zu der Frage:

„Yes, I give dogs electric shocks and use spike chokers… but I’m NOT cruel, says Hollywood’s favourite pet guru Cesar Millan“

So nachzulesen in der Daily-Mail:

Interview mit Cesar Millan

In zahlreichen Folgen des „Hundeflüsterers“ kann man den Einsatz dieser Geräte sehen, die er auch selbst mitbringt.

Einem Australien Cattle Dog legt er eines um, um ihn vom Jagen der Traktoren abzuhalten.

Bei zwei Hunden, die nicht gut alleine bleiben und immer zur offenen Tür hinausstürmen, arbeitet er mit E-Collar und Strommatten vor der Tür.

Memphis und BlackJack (eine seiner bekanntesten Folgen) wurden über Monate mit E-Collar resozialisiert. Der Erfolg blieb leider aus. Sie liefen auch nach dem monatelangen „Training“ nur mit Maulkorb und E-Collar. Von erfolgreicher Resozialisierung kann man hier wohl kaum sprechen.

Das Original-Video zur Folge wurde (wie viele andere auch) vom Management gesperrt. Ein Privatvideo der beiden Hunde zeigt aber deutlich, dass es auch hinterher nicht ohne diese Hilfsmittel zu händeln war:

Besonders schlimm anzusehen ist eine Folge, in der Spike (ein Schäferhund-Mischling) mit der Katze vergesellschaftet werden soll.

Auf Grund seines Jagdtriebes geht er die Katze an und soll sich nun „der Katze unterwerfen“, damit diese „im Rang über ihm steht“.

Das an sich ist schon Quatsch, aber hier geht es darum zu beweisen und zu belegen, dass Cesar Millan Stromhalsbänder einsetzt.

Im Video heißt es an einer Stelle, Cesar verbringe ein paar Minuten alleine mit Spike, „um die Freundschaft aufzufrischen“. Hier trägt er bereits den Empfänger am Hals.

Nun beginnt die Zusammenführung von Hund und Katze. Im Verlauf sieht man DEUTLICH, wie verunsichert Spike durch die Stromstöße ist, er jault sogar auf, versucht dann in der Verzweiflung nach seinem Frauchen zu schnappen und will UNTER DEN SESSEL kriechen. Leider ist das Original wie so oft nicht mehr verfügbar, nur dieser Ausschnitt ist noch zu finden, der aber schlimm genug ist.

 

In der Folge „Loaded Gunny“ geht es um zwei Hunde auf einem Reiterhof. Besonders Gunny geht die Pferde an.

Im Video sieht man ab etwa Minute 19.00 wie Cesar Gunny zunächst an der dünnen Würgeleine in den Pool zwingt. Schon bevor er überhaupt im Wasser ist, sieht (und hört) man deutlich, wie er nach Luft ringt. Und dann heißt es wie so oft „Schwimm oder stirb“.

Ab Minute 23.00 legt Cesar ihm ein E-Collar an und erklärt, wie toll dieses Hilfsmittel ist. Auch später in seinem Center trägt er es und wird willkürlich wegen Kleinigkeiten geschockt. Ab Minute 26.30 etwa eskaliert die Situation in einer Beißerei. Beide Hunde werden heftig „korrigiert“ und unterworfen. Die Aufgabe der Hunde auf Grund körperlicher Erschöpfung wird von ihm als Entspannung erklärt.

(Das Video ist leider ebenfalls gesperrt und andere Aufzeichnungen gibt es derzeit nicht.)

Cesar Millan und Starkzwangmittel in seinen Büchern

Cesar Millan widmet in einem seiner Bücher ein komplettes Kapitel den Starkzwangmitteln. Auch über das E-Collar schreibt er dort und lobt es als besonders hilfreiches Mittel. In seinem Center bietet er Kurse für Hundehalter an, in denen er die Anwendung des E-Collars lehrt.

Ein Auszug aus seinem Buch „Du bist der Rudelführer“, erschienen im Goldmann Verlag:

„Das perfekte Szenario sieht so aus, dass Sie vielleicht mit einem Hilfsmittel wie dem Stachelhalsband anfangen, daraufhin Selbstvertrauen gewinnen, eine bessere, auf Vertrauen und Respekt basierende Beziehung zu ihrem Hund aufbauen und schließlich zu einem Würgehalsband aus Nylon zurückkehren. Ungefähr ein Jahr später können Sie dann ein einfaches Seil verwenden – und noch ein Jahr darauf gemeinsame Erfahrungen ohne Leine sammeln.“

Es ist also von Anhängern seiner Methode nicht nur falsch, sondern auch blind, zu behaupten, er lehne diese Hilfsmittel ab und verwende sie nicht.

Nun folgt oftmals das Argument, diese Mittel seien in Amerika ja nicht verboten. Da „ticken die Uhren anders“. Die Hunde ticken dort leider nicht anders. Und ein Stromschlag ist und bleibt ein Stromschlag, ob in Deutschland oder in Amerika. Sicher gibt es dort andere Gesetze, die es Cesar Millan erlauben, diese Dinge einzusetzen. Im Tierschutzsinne ist es aber nicht. Und darum geht es uns doch. Tierschutz voranzutreiben und über den Tellerrand zu schauen. Tierschutz kennt keine Grenzen.

In Amerika gibt es auch lockere Gesetze zum Waffenbesitz. Wenn ein Donald Trump fordert, Lehrer an den Schulen zu bewaffnen, löst das hierzulande Empörung aus. In Amerika kann man Waffen im Walmart kaufen. Es ist dort erlaubt. Warum lehnen wir das ab und empören uns darüber? Dort ticken die eben anders. Nur, weil in einem Land etwas gesetzlich nicht verboten ist, ist es nicht weniger schlimm als in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz. Jugendliche ticken in Amerika ganz genauso wie in Deutschland (oder sind das dort etwa Red-Zone-Kids, die man ganz anders erziehen muss als deutsche Kinder?). Der Vergleich ist absurd? Finde ich nicht…

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Gewalt bekämpft man nicht mit Gewalt.

Das sollte unter den Menschen gelten und ebenso für den Umgang mit unseren Hunden.

In diesem Sinne

BETTY

http://www.betty.one

Horst, der Dropskopp – „Synapsenchaos eines Sonderschülers“

(Alle Textzitate und Fotos verwende ich mit freundlicher Genehmigung von Janine und Guido Hahne.)

Ich möchte heute einmal Horst vorstellen…

Horst

Horst ist ein Rottweiler (eventuell gemixt mit Hovawart). Das erste Mal las ich von ihm in einer Facebookgruppe, wo das Frauchen leicht verzweifelt Hilfe suchte. Da war der kleine Drops 4 Monate alt. Folgender Text hat mich seinerzeit (Anfang 2017) sehr bewegt:

„Ich bin verzweifelt ??. Wir haben einen 4 Monate alten Rotti-Mix Rüden und so unsere Probleme. Zur Info: Handaufzucht mit 2 Geschwistern, da die Mutter die Welpen nicht angenommen hat und die anderen 5 tötete. Da die Pflegemama nach 6 Wochen wieder arbeiten musste, mussten die Welpen zu ihrer Mutter, bis wir ihn mit knapp 9 Wochen bekamen. Von diesen Umständen erfuhren wir erst später (also von dem Wechsel von einer zur anderen). Er brachte so einige Baustellen im Bereich der Sozialisierung mit, die wir aber mit Geduld und Liebe gut in den Griff bekamen.

Nun zum Problem: Horst ist ein eher unsicherer Hund, mit geringer Frustrationstoleranz. Weihnachten das 1.Schweineohr: egal wer vorbei geht, knurren. Okay…tauschen klappt. Samstag: Kaustange (vorher kein Problem), meine Tochter (23) sitzt neben ihm, streichelt ihn-alles gut. Plötzlich kurzes Knurren und er beißt zu. Beide erschrocken (Hund und Kind), Kind verarztet und Stange weg getauscht. Gestern war unser Trainer da, zum 2. Mal, Problem besprochen und auch das tauschen klappt. Er: gib mal ne Stange, das muss ich mir ansehen. Ich erkläre noch, manchmal ist ihm streicheln im Nacken unangenehm und er schnappt dann in die Luft. Er: da wird er wohl mal ne schlechte Erfahrung gemacht haben (dachte ich mir schon).

Horst fängt an zu Knurren und was macht er?? Packt ihn im Nacken und dreht ihn auf die Seite. Er quiekt und der „Trainer“ erklärt, wir müssten uns durchsetzen, solange er noch nicht ausgewachsen ist. Ende vom Lied: Horst wollte das 1. Mal nicht mit im Schlafzimmer schlafen, Vertrauen ist im Arsch und er knurrt jetzt auch bei Spielzeug. Ich bin am Weinen, das ich das zugelassen habe und nun Angst habe, dass wir das nicht wieder hin bekommen und mein Hund uns als Bedrohung sieht. Wir haben ihm noch nie wehgetan und haben es auch nicht vor. Was können wir tun?“

Im Verlauf des Austausches in der Gruppe ergab es sich dann, dass ich Janine eine private Nachricht schickte, um zu fragen, ob ich ihren Text verwenden darf (zur Aufklärung über solche Methoden). Später ging es dann um eine konkrete Trainerempfehlung und wir stellten fest, dass sie gar nicht weit weg wohnt. Also machte wir einen Termin aus.

Das Erstgespräch im Hause Hahne

Mich erwartete oben an der Treppe ein zunächst aufgeschlossener und neugieriger Welpe, es wackelte und quietschte und er konnte mich gar nicht schnell genug „abchecken“. Im Gespräch erfuhr ich weitere Details zu seinem Start ins Leben und auch zu den zwei Terminen mit dem ersten Trainer. Dieser hat schon beim Betreten der Wohnung den kleinen Drops unsanft weggeknufft mit der Begründung, er müsse den Raum für sich beanspruchen. Bei der geschilderten Maßregelung (auf den Rücken drehen) hat Horst auch noch unter sich uriniert. Das Ganze fand in seinem Körbchen statt. Seitdem meidet Horst seinen Liegeplatz.

Janine hatte während des Gespräches nicht nur einmal Tränen in den Augen. Einerseits auf Grund der Verzweiflung und andererseits, weil sie diese Eskalation nicht hat kommen sehen und nicht schnell genug hat eingreifen können. Ich hatte vollstes Verständnis für sie. Horst versuchte währenddessen, meinen Schuh zu klauen.

Horst (Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass ich den Namen einfach nur genial finde, oder?) hatte einen denkbar schlechten Start ins Leben. Die entscheidenden Wochen verbrachte er recht reizarm auf einem Hof. Durch die Handaufzucht fehlt ihm jegliche Sozialisierung durch die Mutter. Dann noch das traumatische Erlebnis mit dem Trainer mitten in der wichtigen Prägephase und das Chaos war perfekt.

Ressourcenverteidigung ist gerade bei Handaufzuchten oft ein „Problem“. Sie haben die feine Kommunikation einfach nie gelernt und die Anleitung der Mutterhündin fehlt. Erstmal ist es ganz normal, dass auch ein Welpe bereits mal knurrt und so sagt „Hey, das ist MEINS.“. Horst fehlte dabei leider von Anfang an das natürliche Maß und er übersprang regelmäßig mehrere Sprossen der Eskalationsleiter.

eskalations-stufen-low

Er sprang von der entspannten Haltung mehr oder weniger übergangslos zum Knurren und von dort zum Schnappen/Beißen.

Nach der Situation, in der er zu Tode geängstigt wurde durch den Trainer, unterließ er zunächst auch das Knurren. Im Laufe des Vertrauensaufbaus stellte sich dieses warnende Verhalten aber schnell wieder ein. Allerdings fehlten ihm noch immer einige Stufen. Im weiteren Verlauf unserer Arbeit mit Horst entwickelte besonders Janine ein sehr feines Gespür für seine Signale. Sie bemerkte zum Beispiel, dass er vor dem Knurren die linke Lefze ganz leicht hochzog.

Desweiteren zeigte Horst viele, viele Verhaltensweisen, die auf eine leichte Deprivation hindeuteten. In der kommenden „Spooky-Phase“, die normal für Junghunde ist, zeigten sich bei ihm deutliche Ängste. Janine spricht noch heute vom „Synapsenchaos“ ihres Droppskopps. Da wurde eine Mülltonne zum Monster und Horst ging keinen Schritt weiter. Teilweise war er im Dunkeln gar nicht vor die Tür zu bekommen.

Die Pubertät

Horst wurde älter und natürlich auch größer. Einen besonderen Schwerpunkt legten wir später auf das Vertrauen in den erwachsenen Sohn. Dieser war seltener zu Hause und hatte dummer Weise Ähnlichkeit mit dem Trainer, der Horst so furchtbar behandelt hat. In der pubertären Phase kam es einige Male dazu, dass er ihn im eigenen Haus stellte und verbellte. Beim Füttern biß er dann zu und verletzte ihn an der Hand. Zum Glück war es ein sehr gehemmtes Beißen, sodaß die Verletzungen nicht allzu schlimm waren. Aber dieser Einschnitt in das Vertrauen zum Hund war für alle sehr belastend.

Horst 2

Wie kann man diesem Blick eines pubertierenden Rotti-Mischlings widerstehen? Das täuscht leider gewaltig. Er macht rein gar nichts falsch. Er reagiert so, wie es für ihn richtig erscheint. Ich erlebe selten so mitfühlende und reflektierte Hundehalter wie Janine und Guido. Großen Respekt hab ich auch vor ihrem Sohn, der so toll mitgearbeitet hat. Wir verteilten überall in der Wohnung Schälchen mit Käsewürfeln an den strategischen Stellen. Das Schlafzimmer war mit einem Kindergitter gesichert und Horst knurrte, wenn der Sohn nur dran vorbeiging. Also sollte er jedesmal ohne Blickkontakt Käsewürfel werfen. Ebenso, wenn er das Wohnzimmer betrat. Sohn = Käsewürfel

Nur zwei Wochen später bekam ich eine Nachricht von Janine. Ihr sei das Herz in die Hose gerutscht als sie von der Arbeit nach Hause kam und Horst lag NEBEN IHREM SOHN auf dem Bett, beide schliefen seelig. Der Sohn hat wirklich alles getan und umgesetzt, um das Verhältnis zu verbessern und er kann sich auf die Schulter klopfen.

Das Körbchen-Training gestaltete sich über all die Zeit schwierig. Horst war nun fast ein Jahr alt, aber ein zuverlässiges „Auf Deinen Platz“ wollte nicht klappen. In der Zwischenzeit wurde ein neuer Korb gekauft (um die Verknüpfung mit dem alten Korb eventuell aufzuheben). Seine Skepsis blieb. Er verstand sehr schnell, was gemeint war. Setzte sich aber meistens VOR den Korb und sein Blick fragte „Reicht das schon?“.

Horst ist das, was ich als verhaltensoriginell bezeichnen würde.

Bei einem weiteren Termin im Spätsommer 2017 bekam ich ein Telefonat mit. Guido sprach mit seiner Hausbank. Danach eröffnete er mir, dass sie ein Haus gekauft hätten, extra für Horst. Ich hielt das für einen Scherz. Aber nein, sie haben tatsächlich ein paar Kilometer weiter auf dem Dorf ein Haus mit großem Grundstück gekauft, nur für Horst. Damit er mehr Raum für sich hat, weniger Reize ertragen muss und entspannter leben kann.

Ihr seid klasse…!

Ich danke allen Dreien für eine so tolle Zusammenarbeit und für so viel Engagement für Horst. Der Dropskopp mit Synapsenchaos hätte sich kein besseres Zuhause wünschen können. Janine danke ich für ihre Emotionalität, für ihre Empathie und ihren unermüdlichen Einsatz, Horst etwas beizubringen.

Horst und Guido

Guido danke ich dafür, dass ich immer offen sein durfte und Du auch mal ein ernstes Wort von mir mit Humor hingenommen hast. Du bist ein tolles Herrchen für Horst und ich freue mich, dass Du den einen oder anderen Aha-Effekt hattest.

Aaron danke ich dafür, dass er so eine gelassene und verständnisvolle Art hat, mit Horst umzugehen. Niemals ein wertendes oder gar böses Wort. Dafür ganz viel Einsatz und Mut, mit Horst zu arbeiten.

Bald wird Horst 2 Jahre alt. Noch gar nicht ganz erwachsen. Und Ihr habt so viel erreicht mit ihm. Als ich die Nachricht von Janine vor ein paar Wochen bekam, die in etwa so lautete: „Betty, Du musst nochmal kommen. Mit der Leinenführigkeit klappt das irgendwie nicht…“, hatte ich fast Tränen in den Augen. Horst hat so viele, große Baustellen und nun ist es die Leinenführigkeit. Im Vergleich eine Kleinigkeit. Für Horst allerdings eine fast unlösbare Aufgabe.

Ich bin sehr dankbar, dass ich den Weg mit Euch bis hierhin gehen durfte und ich freue mich für Horst, dass er BEI EUCH sein darf.

Ihr wärt nicht dort, wo Ihr jetzt steht, wenn Ihr nicht so viel Herz hättet. Wir haben rein positiv gearbeitet, Vieles mit dem Clicker aufgebaut, ohne Druck und ohne Zwang. Und es FUNKTIONIERT. Und manchmal sind es die kleinen Veränderungen, die etwas bewirken. Horst empfindet Besuch zum Beispiel als sehr viel entspannter, wenn man ihn einfach anleint und er bei seinem Herrchen liegen kann. Und manchmal wagen Menschen sogar große Veränderungen und kaufen ein Haus für einen verhaltensoriginellen Dropskopp. 😉

Liebe Grüße

BETTY

http://www.betty.one

2 Tonnen Beißkraft und Kiefersperre

Der Mythos der erhöhten Beißkraft bestimmter Hunderassen

März 2014-06

Manchen Rassen wird nachgesagt, sie hätten höhere Beißkräfte als andere. Von bis zu 2 Tonnen ist die Rede, die sie aufbringen, wenn sie Beute reißen. Woher stammt dieser Mythos und mit ihm auch die Angst vor bestimmten Rassen und deren angeblich höheren Verletzungsrate im Vergleich zu anderen?

Fakt ist, daß Angaben über Beißkräfte von Hunden erstmals von Lindner, D.L., Maretta, S.M., Pijanowsky, G.J., Johnson, A.L. und Smith, Ch.W. im Jahre 1995 seriös ermittelt wurden. Hierzu sollte der Beitrag „Measurement of Bite Force in Dogs: A Pilot Study“ eingesehen werden. Veröffentlicht in „J. Vet. Dent.“, 1995, (12) 2; 49-54.

Link: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9693626

Die Ärzteschaft untersuchte anhand eines Transponders (Elektronik im Kauknochen) 48 Hunde. Es stellte sich heraus, daß die Beißkraft um so größer sein kann, wie die Rasse es ist. Die größte Beißkraft von sieben getesteten Rassen (ohne Pittbullartige) zeigte ein Rottweiler (1200 kp). Dabei schwankte die Kraft bei den vier getesteten Rottweilern zwischen 280 bis 1200 kp. Ein Retriever brachte es auf 480 kp. Gleiche Beobachtungen sind übrigens bei Schimpansen erfolgt, wo das größte Tier die höchste Kraft aufbringt.

Beißkräfte sind nicht rasseabhängig

Das zeigt, dass man eine höhere Beißkraft nicht einer bestimmten Rasse zurordnen kann. Auch ein Retriever kann mit mehr als 1 Tonne Kraft zubeißen, wenn er denn will. Die oft erwähnten 2 Tonnen erreicht allerdings kein Hund. Selbst der Mensch kann mit ähnlichen Kräften zubeißen, wie Hunde sie aufbringen.

Moxham und Berkowitz  wiesen übrigens schon früher nach, daß Menschen (hier wissentlich vorgenommene Untersuchungen) Beißkräfte entwickeln können, die im Bereiche zwischen 100 bis 1300 kp variieren. Also sogar den Rottweiler übertreffen können! Die Meßapparatur heißt nebenbei Gnathometer.

(„The effects of external forces on the periodontal ligament;
the response to axials loads“, in: “The Periodontal Ligament in Health and Disease”, Pergamon Press, New York (1982), pp. 249-6 wie Profitt et al. (“Occlusal forces in normal- and long-faced adults”, in: “ J. dent. Res.”, 1983, (62); 566-71))

Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0021929086901697

In „Mechanical Advantage in the Pit Bull Jaw – a paper submitted to the faculty of the biology department, Presbyterian College, in partial fulfilment of the requirements for Biology 401 (19 p.)”, bereits am 9. November 1988 veröffentlicht, kam Jesse M. Bridgers nach craniologischen Messungen und Vergleich verschiedener Hundeschädel zu dem Ergebnis, daß es keinerlei Beweise für die Annahme gäbe, daß die Beißkraft eines Pitbulls höher als bei in Größe und Stärke vergleichbarer anderer Rasse sei.

Link: http://www.sabalchaseanimalclinic.com/tvradio/factsaboutpitbulls.html

Mit anderen Worten:
Angaben über Beißkräfte von Hunden zu vertrauen, ist höchst unsicher.

Der eine Vierfüßler beißt fest, weil er will, der andere eben nicht. Und Angaben VOR 1995 sind der jeweiligen Phantasie entsprungen!

Mythos Kiefersperre

Beißt ein Staffordshire Terrier zu, blockiert sein Kiefer und er kann ihn selbständig nicht wieder öffnen. Mit ein wenig Verstand kommt man selbst drauf, dass das ein Mythos ist. Wie könnte ein solcher Hund fressen, wenn bei jedem Biss der Kiefer blockiert und er ihn nicht mehr öffnen kann?

Wenn ein Hund seinen Fang nicht mehr öffnen kann, ist das krankheitsbedingt. Er leidet unter Kaumuskelmyositis.

https://www.thieme.de/de/tiermedizin/kaumuskelmyositis-50348.htm

Ein anderes Phänomen ist bei Hunden nicht bekannt. Man weiß aber, dass Staffordshire Terrier beispielsweise anders zubeißen als Schäferhunde, was auch die unterschiedlichen Verletzungsmuster begründet. Ein Staff beißt rein und hält fest. Darauf ist er gezüchtet. Die Vorfahren, die sogenannten Bullenbeißer, sollten sich im Tier verbeißen und festhalten.

Schäferhunde dagegen neigen eher zum Hetzen und somit zum Nachschnappen. Sie beißen kurz und heftig zu, lassen los und setzen nach. Dadurch entstehen schlimmere Wunden.

Weitere Unterschiede gibt es bei bestimmten Rassen je nach Zuchtziel und Einsatzgebiet. Apportierhunde haben ein sogenanntes „weiches Maul“. Sie könnten auch ein rohes Ei unbeschadet apportieren. Das ist gewollt, weil sie die Beute nicht weiter beschädigen sollen, wenn sie sie apportieren. Andere Rassen haben ein „hartes Maul“, beißen also generell etwas unkontrollierter zu, sind grobmotorischer. Ein rohes Ei hätte bei ihnen keine Chance, heil von A nach B gebracht zu werden. Mit der Beißkraft an sich hat aber auch das wenig zu tun. Auch ein Retirever oder Labrador kann „hart“ zubeißen, wenn er es denn will.

Liebe Grüße

BETTY
http://www.betty.one

„Halt erstmal die Hand hin zum Schnüffeln…“ – Ist das sinnvoll?

Diesen Satz hört man oft von Müttern, die ihre Kinder anleiten, dem Hund erstmal die Hand hinzuhalten, damit er schnüfffeln kann. Die Motivation dahinter ist wohl die, dass der Hund so denjenigen, der da in seine Individualdistanz eindringt, erstmal wahrnehmen kann und „kennenlernt“. Warum ist das wenig bis gar nicht sinnvoll?

HPIM0930.JPG

Die Hundenase verfügt über 200 Millionen Riechzellen (die Nase des Menschen über gerade mal 5 Millionen). Hunde können über hohe Distanzen Gerüche wahrnehmen und zuordnen. Sie werden eingesetzt, um mit ihrer Nase die unterschiedlichsten Dinge zu erfassen und anzuzeigen (sogar Krebszellen können sie erriechen).

Wenn man 2 oder 3 Meter vor dem Hund steht, hat er uns schon längst gerochen und eingeordnet.

Ein Kind aufzufordern, die Hand vor die Nase des Hundes zu halten, ist nicht nur „dumm“ (aus Sicht des Hundes), sondern kann auch gefährlich werden. Hunde haben wie wir Menschen eine Individualdistanz. In diese dringt man nun ein, wenn man ihm einfach mal so die Hand vor die Nase hält. Was kann man oft beobachten in dem Moment? Der Hund leckt die Hand. Das ist ein Distanz-Schlecken. Er möchte Distanz zur Hand (dem Menschen), es ist ihm unangenehm, so bedrängt zu werden. Viele Hunde wenden auch den Kopf ab, blinzeln, legen die Ohren an. Sie beschwichtigen, weil ihnen diese Hand einfach zu nah ist.

Aus dieser Geste liest der Hund keinerlei für ihn wichtige Informationen heraus. Im Gegenteil, ich verunsichere ihn zusätzlich.

Sunshine Dog Training hat dazu einen Artikel auf Facebook verfasst, den ich hier gerne verlinke:

Aber wie macht man es denn nun richtig? 

Zunächst sollte IMMER der Hundehalter gefragt werden, ob ein Kontakt zum Hund erwünscht ist. Der Halter selbst kann seinen Hund am besten einschätzen und weiß, ob er auf Kinder nett reagiert oder ob es besser wäre, den Hund nicht zu beachten. Gibt der Halter sein Okay, sollte sich das Kind in die Hocke begeben und den Blick ein wenig vom Hund abwenden. Die Hände locker am Körper hängen lassen und dem Hund NICHT entgegenstrecken. Nun hat der Hund die Wahl, ob er Nähe zulässt und ebenfalls begrüßen möchte, oder ob er lieber auf Abstand bleibt.

Nimmt der Hund nun von sich aus Kontakt auf, kann er auch gestreichelt werden. Am besten seitlich am Brustkorb oder vorne von unten auf der Brust. Das mögen Hunde am liebsten und sie fühlen sich durch diese Bewegungen weniger bedroht. Niemals sollte ein Kind dem Hund direkt ins Gesicht fassen.

Dazu gibt es eine anschauliche Grafik, die unter folgendem Link zu finden ist:
https://hirnundhund.wordpress.com/2013/06/18/der-tag-x/begrusung-deutsch-original/

Einen Hund begrüßen

Liebe Grüße

BETTY
http://www.betty.one

„Du musst auch mal Grenzen setzen…“

Wir Trainer und Hundehalter, die wir aversive Methoden (positive Strafe) ablehnen, hören diesen Satz öfter mal. Dabei schwingt immer mit, man würde einem Hund keine Grenzen setzen, wenn man ihn nicht auch mal straft. Warum ist das teilweise so verankert und ein festgefahrener Glaube?

Boss

Klaus Hurrelmann (Pädagoge) sagt zum Thema „Grenzen“ Folgendes:

„Grenzen sind wie Leitplanken im Straßenverkehr. Sie geben die Richtung an. […] Sie geben Stabilität, sie setzen eine Struktur. […] Grenzen setzen, Vereinbarungen treffen, Regeln festlegen, Normen setzen, das ist das Kerngeschäft von Pädagogik, von Sozialisation“

Meint derjenige, der mir sagt, ich müsse bei meinem Hund auch mal Grenzen setzen, eben dieses? Ich muss ihm Stabilität und Sicherheit geben? Oder meint er gar etwas völlig anderes? Wenn man positiv und fair mit dem Hund umgeht, impliziert dieser Satz doch auch, dass ich eben keine Grenzen setze, ihn „Laissez fair“ behandele und er tun und lassen kann, was er will. Und er somit weder eine klare Linie in seinem Leben erfährt noch Sicherheit und Stabilität.

Eine Grenze kann auch physikalisch sein. Freilebende Tiere beanspruchen ein Territorium für sich und verteidigen es gegen andere Gruppen. Das tun Löwen, Tiger, Affen, Wölfe und auch Wildhunde. Sie „setzen Grenzen“ gegen rudelfremde Gruppen. Diese Grenzen werden auf unterschiedlichste Weise markiert, zumeist olfaktorisch durch Duftmarken (Urin und Kot).

Mal übertragen auf unsere Haushunde, mit denen wir einen Verband (eine Gruppe) bilden, hieße das, ich müsste MIT MEINEM HUND GEMEINSAM eine Grenze setzen und sie MIT IHM gegen andere verteidigen. Setze ICH IHM eine physikalische Grenze (verwehre ihm den Zutritt zu einem Territorium, das ich nur für mich beanspruche), schließe ich ihn quasi aus der gemeinsamen Gruppe aus und benehme mich wie ein Konkurrent. Das ergibt im sozialen Gefüge (zumindest für meinen Hund) überhaupt keinen Sinn.

Möchte ich aus praktischen Gründen eine physikalische Grenze setzen, kann ich das meinem Hund völlig ohne positive Strafe beibringen. Wenn ich in der Küche arbeite, möchte ich meinen Hund nicht zwischen meinen Füßen haben. Das dient seinem eigenen Schutz. Es können Dinge herunterfallen, Fett kann spritzen oder heißes Wasser könnte ihn verbrühen, wenn ich über ihn stolpere. Dazu kann ich ihm ein Signal beibringen (beispielsweise ein „Raus“) und ihn aus der Küche herausführen. Vor der Tür zeige ich ihm einen Platz, an dem er verweilen kann, während ich koche. Das belege ich positiv und belohne ihn, wenn er dort entspannt. So sieht er das „Raus“ nicht als Ausschluss oder gar Strafe, sondern als ein erlerntes Ritual, das sich für ihn lohnt.

Und physikalische Grenzen setzen wir unseren Hunden doch alleine schon damit, dass wir sie bei uns leben lassen. Jeden Tag, 24 Stunden lang. Wir bestimmen, wann sie durch ihr Revier streifen dürfen, indem wir festlegen, wann es hinaus geht und auch für wie lange. Wir leinen unsere Hunde an (eine sehr „harte“ physikalische Eingrenzung) und verlangen auch noch Leinenführigkeit von ihnen.

Der Vorwurf, man würde auch im sozialen, psychischen Bereich keinerlei Grenzen setzen, ist ebenso wenig haltbar. Ein fairer und netter Umgang schließt das Setzen von Grenzen nicht aus. Wir sorgen dafür, dass unser Hund niemanden anspringt, wir trainieren daran, dass er nicht jagen geht, dass er nicht bellt, wenn es klingelt und dass er im Freilauf auf Zuruf zurückkommt. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen…

Wenn ich für das Setzen einer Grenze zum Mittel der positiven Strafe greifen muss, habe ich schlicht versäumt, das erwünschte Verhalten rechtzeitig einzufangen und zu bestätigen. Grenzen setzen funktioniert auch prima mit positiver Bestärkung, mit Lob und Zuspruch und vor allem mit Respekt vor dem Tier, das da vor mir steht.

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade 2018 zur Aktion „Tausche TV-Trainer-Ticket gegen Training“ der Initiative für gewaltfreies Hundetraining. Seit 2014 tauschen über 200 TrainerInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gebrauchte TV-Trainer-Tickets für ein halbes Jahr nach der Veranstaltung gegen eine Gratis-Trainingsstunde.

 

Liebe Grüße

BETTY

http://www.betty.one

„Hund Katze Maus“ / Folge 18-7 vom 17.02.2018 / Hund Jack hat gebissen

In der Folge „Hund Katze Maus“ vom 17.02.2018 besucht Frank Weber eine Familie, dessen 2jähriger Hund Jack das jüngste Kind gebissen hat.

Insbesondere die Mutter hatte sich im Vorfeld intensiv mit der Anschaffung eines Hundes beschäftigt. Nach eigenen Angaben hat sie diverse Bücher gelesen und sich über Rassen informiert. Es wurde dann ein Welpe vom Vermehrer gekauft, der in einer Garage aufgewachsen ist. Jack ist ein Bernersennen-Mix (meiner Ansicht nach gemischt mit Border Collie oder Australien Sheperd). Desweiteren war der Familienvater mit dem Einzug eines Hundes gar nicht einverstanden. Die Voraussetzungen für ein harmonisches Leben mit Hund waren also denkbar schlecht. Jack hatte im gesamten Haus keinen eigenen Rückzugsort, war also immer mitten im Geschehen. Hauptbezugsperson scheint Selina zu sein, die 13jährige Tochter. In der Familie leben noch ein Sohn und die 6jährigen Zwillinge. Eines der jüngeren Mädchen wurde nun von Jack gebissen. Dieser lag bei den Vorbereitungen des Mittagessens in der Küche auf dem Boden. Das Mädchen beugte sich zu ihm, streichelte und knuddelte ihn. In der Situation hat Jack ihr ins Gesicht gebissen.

Das so weit zur Vorgeschichte.

Schon kurz nach Ausstrahlung der Sendung ergab sich auf der Facebook-Seite von VOX eine angeregte Diskussion (klickt auf das Bild und Ihr gelangt direkt dort hin). Diese ist geprägt von Kritik an dem dazugeholten Experten, der Jacks Wesen testen und eine Einschätzung geben sollte, ob Jack in der Familie bleiben kann.

Die Vorgeschichte und die Stolpersteine, die sich die Familie bei der Anschaffung des Hundes selbst in den Weg gelegt hat, sollen hier nicht Thema sein.

Die Folge ist in der Mediathek von VOXnow zu sehen:

https://www.tvnow.de/vox/hundkatzemaus/folge-18-7/player?utm_source=VOX&utm_medium=link&utm_campaign=Ganze_Folgen&utm_term=hundkatzemaus

Ab Teil 2 der Online-Version geht es um Jack. Ich beziehe mich auf einzelne Zeiten, die ich jeweils in Klammern anführe.

Frank Weber beginnt zunächst mit einer eigenen Einschätzung und lässt sich den Vorfall schildern. In dem Zusammenhang fallen bereits einige Sätze, denen ich NICHT zustimmen kann.

Frank Weber: „Der pubertiert und testet natürlich auch Grenzen aus.“ (Minute 15, Teil 2)

Junge Hunde testen keine Grenzen. Das würde zum Einen Vorsatz unterstellen und zum Anderen unterstellt es dem Hund, dass er absehen kann, welche Konsequenz sein Verhalten hat. Beides können Hunde nicht leisten. Hunde haben kein „Wenn-Dann-Verständnis“ oder machen sich Gedanken darüber, wie man Herrchen oder Frauchen provozieren könnte. Das beinhaltet aber ein bewusstes Testen von Grenzen. Man überschreitet eine Grenze, um auszuprobieren, wie darauf reagiert wird. So weit denken Hunde nicht. Natürlich kommen auch unsere Hunde in eine pubertäre Phase, aber diese Gedankengänge können sie nicht leisten. Sie testen keine Grenzen aus. Diese Aussage geht oft damit einher, dass man rechtfertigt, den Hund zu maßregeln und Grenzen zu festigen, damit er nicht in einer imaginären Rangfolge aufsteigt. Das tut unseren Hunden Unrecht. Dazu noch ein Link zu einem Text auf meiner Homepage:

http://bettys-hunde-abc.de/bettys%20blog/grenzen%20austesten.html

Und ein Blog-Beitrag einer lieben Kollegin zum Thema „Grenzen testen“:

https://teamschuleblog.wordpress.com/2018/02/21/dein-hund-testet-dich-gerade-aus/

Im Haus schildert die Mutter den Vorfall und wird von Frank gefragt, ob Jack einen Rückzugsort habe. Nein, er liegt mal hier und mal da, immer mitten drin. Wenn es ihm zu viel wird, geht er eben. Auf die Frage, wann genau er die jüngeren Geschwister anknurrt, sagt die Mutter: „Nur bei Selina im Zimmer.“ (Ab Minute 16, Teil 2). Selina ist die 13jährige Tochter, die ein inniges Verhältnis zu Jack hat. Er verbringt viel Zeit bei ihr, liegt dort auch auf dem Bett. Ihr Zimmer scheint für Jack der einzige, sichere Rückzugsort zu sein. Er ist ansonsten dem Trubel der Familie und den jüngeren Geschwistern „hilflos ausgeliefert“. Für mich eigentlich ganz eindeutig, warum er die Geschwister aus Selinas Zimmer heraus anknurrt. Irgendwo muss er ja mal seine Ruhe finden.

Frank schaut sich in der Wohnung um und schlägt für Jack einen „Rückzugsort“ direkt im Zugang zum Wohnzimmer vor. (Minute 17.30, Teil 2)

Dort liegen eigentlich die Spielsachen der Kinder, alle gehen dort vorbei, Jack hätte kompletten Überblick über Eingangsbereich, Küche, Wohnzimmer und sogar nach draußen (bodentiefe Fenster). Für einen entspannten Liegeplatz, wo er auch ohne Störung ruhen kann, hätte sich eher die hintere Ecke neben dem Sofa angeboten.

Oben in Selinas Zimmer erklärt Frank richtiger Weise, dass es gut ist, wenn Hunde knurren, weil sie anzeigen, dass man eine Grenze überschreitet. Es sei sehr gut, wenn der Hund warnt. Ja, völlig korrekt und da war ich ganz bei Frank. Meine Euphorie über diese richtige Aussage wurde aber gleich wieder erstickt, als er ihr einen Rat gab, was sie tun solle: „Wenn er knurrt, schmeißt Du ihn raus.“ (Minute 18.30, Teil 2)

Das ergibt Sinn, wenn ich den Hund nicht Ernst nehmen möchte und ihm zeigen möchte, dass es sich nicht lohnt zu warnen. Jack möchte seine Sicherheit und seine Ruhezone nicht verlieren. Es ist gut, dass er das anzeigt. Die Konsequenz ist aber genau DAS. Er wird des Raumes verbannt. Also BESTÄTIGE ich die Motivation des Hundes, indem genau das eintritt, was Jack zu verhindern versucht. Kein wirklich guter Rat.

Zu Beginn des 3. Teils der Online-Version wird es dann richtig absurd. Frank stellt der Familie einen „Experten“ vor, Herrn Hans Zwick, Sachverständiger für Hundewesen und staatlich geprüfter Hundeführer. Da geht man davon aus, dass dieser Hundetrainer die Sachkunde nach §11 Tierschutzgesetz nachgewiesen hat und sogar zertifiziert ist, Wesenstests abzunehmen (was auch im Folgenden erwähnt und herausgestellt wird).

Es geht schon los, als Herr Zwick das Haus betritt. Er lässt Jack schnüffeln. Dieser ist sehr unsicher, verbellt (aussietypisch) den Besucher und weicht eher zurück.

Herr Zwick: „Auf keinen Fall rückwärts gehen, also nach hinten gehen, um den Hund stark zu machen.“ (Minute 1.50, Teil 3)

Wir sehen hier einen verunsicherten Hund, der Meideverhalten zeigt, zaghaft am Besuch schnüffelt und bei Blickkontakt sofort bellend zurückweicht. Diesen Hund mache ich stark, wenn ich nun meinerseits einen Schritt zurückgehe und Distanz schaffe? Das war der erste Moment, wo ich dachte, der redet doch von Dominanz (verpackt es nur anders). Ich wurde bestätigt, leider.

Man sah sich nun gemeinsam die Aufnahmen aus dem Kinderzimmer an. Alle folgenden Zitate beziehen sich auf diesen Abschnitt ab Minute 2.30 des dritten Teils.

Jack liegt wie gewöhnlich auf Selinas Bett, nach und nach kommen die anderen Geschwister und auch die Mutter dazu. Streicheln den Hund, beugen sich über ihn, bedrängen ihn. Jack bleibt die gesamte Zeit sehr ruhig und lässt das geschehen.

Herr Zwick: „Man müsste den Namen vom Hund an die Tür machen, damit die Leute wissen, wer da drin das Sagen hat.“ 

Aha…!? Herr Zwick erkennt also schon in den ersten Sekunden, dass der Hund die Herrschaft über das Zimmer hat und tut dies auch im Folgenden bereitwillig kund.

„Das ist so der Höhleneffekt, d.h. dass er bewacht. (…) Der bewacht die Türe. Jeder, der reinkommt, ist für ihn erstmal ein Eindringling. (…) Das Problem ist auf Dauer, dass der Hund sehen wird, dass das SEIN Gebiet ist, er wird das immer mehr beanspruchen.“

Natürlich hat Jack die Tür im Auge. Es kommen ja auch ständig Leute rein, die ihn nerven und bedrängen. Dieses Zimmer ist sein für sich selbst etablierter Rückzugsort, in dem er dennoch nicht seine Ruhe hat. Klar, dass er die Tür im Auge behält, um nicht überrascht zu werden. Herr Zwick interpretiert hier meiner Meinung nach völlig falsch. Es geht dem Hund nicht um die Beanspruchung eines Raumes oder Ortes. Es geht ihm um seine Sicherheit. Aber territoriale Aggression passt scheinbar besser in sein Weltbild.

Die Schwester kommt nun herein und Selina streichelt Jack.

„Wenn der Deine Schwester als nachgeordnet sieht, also rangniedriger, dann hat er als Hund das Recht, Deine Schwester zu korrigieren. (…) Das ist Zuneigung, die dazu führt, dass der Hund Dich und diese Örtlichkeit als seines sieht.“

Jetzt werde ich richtig wütend. Da steht ein zertifizierter Trainer, ein Sachverständiger, und erzählt was von Rangordnung. Die Novellierung des Tierschutzgesetzes, die vorsieht, dass Trainer einer Erlaubnis bedürfen und ihre Sachkunde nachweisen müssen, ist doch völlig absurd, wenn Menschen wie Herr Zwick diese überholten und widerlegten Mythen verbreiten dürfen. Beleuchten wir einmal den Begriff „Rangordnung“. Rangordnung meint, dass es in einem Rudel Ränge gibt, um die im Zweifelsfall auch aggressiv gekämpft wird. Er suggeriert, es gäbe einen mächtigen Alpha, der die Regeln vorgibt und diese auch mit Gewalt durchsetzt. Zum Begriff „Rudel“ habe ich bereits einen Blog-Beitrag verfasst, den ich hier gerne verlinke. Dieser Blog wird eh schon recht lang und das sprengt nun den Rahmen.

https://bettyshundeabc.wordpress.com/2017/07/20/ist-der-hund-ein-rudeltier/

Nun besteht ein Rudel aber aus miteinander verwandten artgleichen Tieren. Es ist eine Familie, Elterntiere und ihre Nachkommen. Der Mythos über Dominanz, Rangordnung und Alpha ist längst widerlegt (durch den Begründer David Mech selbst). Wir Menschen können gar kein Rudel mit unserem Hund bilden. Wir sind keine Artgenossen. Unsere Hunde wissen das auch. Somit ist der Mythos „Rangordnung“ auch ad absurdum geführt. Herr Zwick glaubt noch daran und VOX bietet ihm eine Plattform, dies in den Medien zu verbreiten. Man kämpft seit Jahren dafür, diese Mythen zu verbannen. Man klärt auf, wo man nur kann. Es gibt Organisationen, Initiativen und Vereine, die sich nur dies zum Ziel gesetzt haben. Einige mag ich hier nennen:

https://www.gewaltfreies-hundetraining.ch/
https://www.canis-pacalis.de/
https://www.trainieren-statt-dominieren.de/

Und nun führt Herr Zwick weiter aus, wie man Jack in seinem Rang erfolgreich reduzieren kann:

„Sobald Du zu dem Hund gehst, hofierst Du den Hund. (…) Der Hund soll aber lernen (…), dass er das rangniedrigste Lebewesen ist. (…) Jeder geht zum Hund hin. (…) Der Hund sitzt auf dem Thron und der Rest vom Volk huldigt ihm.
Es ist für den Hund elementar unterschiedlich, ob ihr zum Hund geht, oder ob der Hund zu euch kommt. Der Chef lässt kommen.“

Jack soll in Zukunft also eingeschränkt werden. Sein selbstgesuchter Rückzugsort ist tabu in Zukunft und er darf nicht mehr gestreichelt werden, wenn die Geschwister dazu kommen. Desweitern wird er IMMER zu sich gerufen. Jack wird also noch mehr gegängelt und in seiner Sicherheit beschnitten.

Ab Minute 5 erfolgt dann der Würstchentest in der Küche. Natürlich kann die Mutter Jack nicht davon abhalten, das heruntergefallene Stück Wurst zu nehmen. Wie auch? Jack hat es nie gelernt. Es war immer in Ordnung, wenn er Heruntergefallenes gefressen hat. Das ist reine Trainingssache. Was das mit dem Wesenstest zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Aber Herr Zwick zeigt dennoch sein „Können“. Ab Minute 6.20 demonstriert er, „wie man Autorität richtig einsetzt“. Er lässt Wurst fallen und Jack nimmt es nicht, sitzt abseits und wufft den Trainer kurz an. Er ist noch immer unsicher mit dem fremden Mann und traut sich nicht an ihn heran.

Herr Zwick: „Warum nimmt er es nicht?“

Die Mutter: „Weil er Angst hat…“ (Hat sie richtig erkannt.)

Herr Zwick: „Nee, weil er Respekt hat. (…) Stell Dir vor, um Dich rum ist eine Aura
und jetzt gehe ich auf den Hund zu. Und so wie meine Aura ist, sag ich dem Hund ‚mein Futter‘.“

Aura…? Energie..? Wovon redet er? Jack weicht zurück, weil Herr Zwick eine „Aura“ hat?

Herr Zwick kniet sich hin und lässt Jack Wurst fressen.

„Schau ich weg, geb ich ihm die Freiheit, es zu nehmen, weil ich jetzt keine Dominanz ausstrahle. Weder mit Blickkontakt noch mit der Körperhaltung.“

Die Sache mit der Dominanz mal wieder. Jack frisst mit langer Nase, obwohl sich Herr Zwick abwendet. Das hat mit Dominanz nichts zu tun. Jack ist ein unsicherer Hund, der Fremden erstmal nicht traut. Das kann man aber toll als „Aura“ verkaufen und mit Dominanz oder Nicht-Dominanz begründen.

Danach erklärt er der Familie, was schief läuft:

„Beim Würschteltest war es so, dass Gleichgültigkeit signalisiert wurde und das ist etwas, was Hunde nicht vertragen.“ 

Ist das ein versteckter Vorwurf an die Familie, sie würden Jack nicht gut behandeln? Nicht artgerecht erziehen? Weil man auch mal gleichgültig ist, wenn keine Gefahr droht? Es schadet dem Hund, wenn man ihn das heruntergefallene Stück fressen lässt. Aha…!?

Weiter geht es nach draußen, eine Hundebegegnung wird gestellt (Herr Zwick hat einen Husky mitgebracht). Ab Minute 8.30, Teil 3.

Und gleich geht es los mit Geschirr-Bashing.

Herr Zwick: „Das K9 ist ein super Geschirr (…) für Fährtenhunde und für Hunde, die was ziehen sollen.“

Da muss ich ihm leider widersprechen. Das K9-Geschirr ist NICHT geeignet zum Fährten oder Ziehen, weil es die Schulter und somit die Bewegung des Hundes einschränkt. Zuggeschirre sind so aufgebaut, dass sie dem Hund maximale Bewegungsfreiheit lassen und den Druck optimal verteilen.

Im nächsten Moment zieht er eine Leine hervor. NEIN…!? Er wird doch nicht…?

DOCH, er tut es…!!! Die Würgeschlinge kommt um den Hals (ohne Stopp natürlich, like Cesar Millan). Minute 9.40, Teil 3

Austausch zwischen Mutter und Herrn Zwick, nachdem Jack sich bereits gegen die Schlinge gewehrt hat.

Mutter: „Ja, weil das Ding ja jetzt zieht…“

Herr Zwick: „Nein, das reguliert er selbst. Schau, ich halte die Leine, die ist locker.“

Mutter: „Ja, und wenn er zieht, dann stranguliert er sich ja.“

Herr Zwick: „Der Hund muss lernen (…), wenn er von mir weg geht, wird das Halsband enger. Wenn er sich wieder selbst korrigiert, ist das ganz locker.“

Die Mutter hat das gut erkannt und ihr war genauso unwohl wie Jack in dem Moment. Schade, dass sie nicht auf ihr Bauchgefühl gehört hat und dabei geblieben ist, dass sie nicht will, dass Jack gewürgt wird.

Hier war ich persönlich mehr als fassungslos. Würgeleinen ohne Stopp verstoßen gegen das Tierschutzgesetz. Wie kann und DARF ein Trainer diese anwenden, wo er doch mit der Erteilung der Genehmigung nach §11 TSchG und dem Nachweis der Sachkunde bestätigt, dass er tierschutzkonform arbeitet und Hunden im Training KEIN Schmerz und Leid zufügt? Und wie kann es sein, dass ein Sender wie VOX diesem angeblichen Experten eine Plattform bietet? Millionen Zuschauer sehen das und sind jetzt darin bestätigt, dass diese Würgeleine ja gar nicht so schlimm ist. Der Hund muss sich ja nur selbst regulieren. Ich möchte Euch an der Stelle die „Rechtliche Betrachtung – Schmerzen, Leiden, Erheblichkeit nach dem Tierschutzgesetz“ von Canis Pacalis nahelegen. Nach der Lektüre wird JEDEM klar, warum diese Hilfsmittel verboten sind.

Klicke, um auf Recht-schmerz.pdf zuzugreifen

Und wer es geschafft hat, meinen langen und umfangreichen Text bis zum Ende zu lesen, der hat sich jetzt nen Kaffee oder eine heiße Schokolade verdient. Vielen Dank für Euer Durchhaltevermögen. Wäre ich mit meinen Erklärungen noch weiter ins Detail gegangen (was ich gerne getan hätte), dann wäre es ein Buch geworden. 😉

Liebe Grüße

BETTY
http://www.betty.one

 

 

„Mit der Natur des Hundes“ – Klappsen, Schubbsen, Rempeln

Was ist bloß los in Hundetrainer-Kreisen…?

Immer öfter liest man von „natürlichen Erziehungsmethoden“, von „tierorientiertem Training“ oder „Training mit der Natur des Hundes“. Was verbirgt sich dahinter, wenn man mal ein wenig an der Fassade kratzt?

Aversives Training, Alphatheorie und „Sei der Rudelführer“

Heiner Geissler

Etliche Menschen bieten in Deutschland ihre Dienste als Hundeflüsterer an. Oft wird schon auf der Homepage ganz oben darauf hingewiesen, dass man nicht mit Futter arbeitet. Positive Trainer werden gleich mal in die Ecke der Wattebauschwerfer gestellt und nur man selbst hat die „Natur des Hundes“ erkannt und arbeitet über Körpersprache, weil der Hund alles andere sowieso nicht versteht. Abgrenzung ist gut und richtig. Jeder möchte für sich ein Alleinstellungsmerkmal finden. Aber mal ehrlich:

Das gibt es im Bereich des Hundetrainings nicht. Es gibt nicht DIE Methode, oder den einzig richtigen Umgang. Das Rad kann keiner neu erfinden. Entwicklung, Forschung und neue Erkenntnisse ignorieren kann man hingegen schon. Das dann als Training „mit der Natur des Hundes“ zu verkaufen, ist dann nur noch Marketing und Rhetorik.

Das Tierschutzgesetz muss man an der Stelle nicht weiter erwähnen. Das sagt eindeutig, dass keinem Tier zu Trainingszwecken Schmerz, Angst und Leid zugefügt werden darf. Jeder, der mit Hunden arbeitet, sollte es kennen und befolgen. Die Praxis sieht da leider anders aus.

Und dann schaut man sich an, wie denn so ein „Rudelführer“ natürlich arbeitet und bekommt Tränchen in die Augen. Schon nach wenigen Minuten wird aus einem entspannten Hund, der locker seine Umwelt erkundet ein eingeschüchterter und beschwichtigender Hund. Ist das natürlich?

Der „Trainer“ nimmt die Leine in die Hand und beginnt schonmal ordentlich an der Leine zu rucken. Der Hund trägt lediglich ein Halsband und quittiert diese Ruckerei auch prompt mit Beschwichtigung. Die Ohren gehen zurück, die Rute senkt sich, er blinzelt und leckt sich die Schnauze, versucht den Blick abzuwenden und Distanz zu schaffen.

Und was folgt vom „Rudelführer“? Natürliche Korrektur mit Körpersprache, indem er ihn mehrfach mit der flachen Hand seitlich gegen Brustkorb und Flanke schlägt. Das Ganze erklärt er mit der natürlichen Körpersprache des Hundes. „Hunde sind rempelnde Tiere“, ergänzt er im Brustton der vollen Überzeugung.

Rempeln, Schubbsen, Schlagen, Rucken am Halsband sind also natürliche Verhaltensweisen unserer Hunde. Rhetorisch geschickt verpackt kommen diese Erklärungen beim Empfänger an. Da nickt selbst der Reporter zustimmend und die Kommentare auf den Facebook-Fanseiten solcher Trainer überschlagen sich. Die Kommentare für das Video auf YouTube sind übrigens deaktiviert. Warum wohl?

Die aggressive Arbeitsweise dieser „Rudelführer“ zeigt sich auch im Umgang mit Menschen. Kritische Kommentare werden umgehend gelöscht, Kommentatoren auf den Facebook-Seiten gesperrt und dann wird auch schon mal mit dem Anwalt gedroht, weil man sich getraut hat, diese Methoden als das zu bezeichnen, was sie sind, nämlich tierquälerisch und tierschutzrelevant.

Vorbild für all die Trainer, die „mit der Natur des Hundes“ zu punkten versuchen, scheint ein amerikanischer „Rudelführer“ zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass hierzulande immer mehr Menschen mit der Psychologie des Hundes arbeiten? „It’s all psychological.“, sagt er und tritt die Hunde mit dem beschuhten Fuß in die Flanke oder haut ihnen die Krallenhand gegen den Hals. Das ist nicht PSYCHOlogisch, das ist PHYSIOlogisch.

Einen Rat habe ich abschließend noch für alle „Rudelführer“ da draußen:

Wenn Ihr schon „back to the roots“ gehen wollt und Euch selbst als Hund und somit Rudelmitglied seht, dann bitte mit allen Konsequenzen. Ihr esst also bitte am Boden auf allen Vieren und knurrt Euren Hund weg. Ihr schnüffelt Eurem Hund zur Begrüßung die Analregion und das Genital ab, Belecken darf natürlich auch nicht fehlen. Das steht nur dem Alpha zu, der Rangniedrigere muss das dulden. Und vergesst nicht, draußen das Revier zu markieren. Möchte Euer Hund das tun, beißt ihn bitte ordentlich in den Nacken und beansprucht die Stelle für Euch, indem Ihr den Baum bepinkelt.

Wenn Ihr Euren Hund dann füttert, müsst Ihr kreativ werden. „Hunde teilen kein Futter.“, war so eine Aussage. Wie gebt Ihr Eurem Hund das Futter, ohne dass er bemerkt, dass es von Euch kommt? Der Alpha teilt ja nicht.

Vielleicht reicht es ja, ihn ab und an einfach mal anzurempeln. Oder wie hieß es in einem Interview…? „Ein Klapps ab und zu ist besser als ein Leckerchen.“

Liebe Grüße

BETTY
http://www.betty.one

 

Ressourcen-Sicherung des Hundes – „voll süß“, oder?

 

Es gibt Verhaltensweisen unserer Hunde, die nur allzu oft falsch gedeutet werden. Ressourcensicherung ist eine davon, die ich heute mal näher beleuchten möchte.

Teddy - b

Ronja „sichert“ auf diesem Bild übrigens keine Ressource, sie hatte einfach keine Lust mehr zu spielen. 😉

Schauen wir uns nun mal folgendes Video an. Es ist betitelt mit „Hund deckt Baby zu“.

Ist das tatsächlich „süß“? Der Mensch sieht hier eine Fürsorge des Hundes. Er deckt das Baby zu. Wie Ernst das Verhalten in der Folge sein kann, sieht man nicht. Dieser Hund sichert eine Ressource. Warum ich das behaupte? Später mehr dazu…

Nun könnte die Ressource eine volle Windel sein. Menschlicher Kot ist für viele Hunde sehr interessant und gerade der von Babys hat einen besonderen Duft. Manche Hunde zerpflücken sehr gerne Babywindeln und im Wald wälzen sie sich gerne auch in menschlichem Kot. Das könnte hier eine Ressource für den Hund darstellen.

Aber auch das Baby selbst könnte als Ressource gesehen werden. Und da wird es dann schon heikel. Bleibt es bei diesem Verhalten und es entstehen keine weiteren Probleme, so lasse ich dem Menschen gerne seine Deutung von Fürsorge und lasse es ihn auch „süß“ finden. Leider entstehen daraus durchaus ernsthafte Probleme. Das erkläre ich im Verlauf.

Für manch einen Hundehalter wird das Verhalten vielleicht in folgendem Video deutlicher. Es handelt sich um exakt das selbe Verhaltensmuster. Nur hier wird interpretiert, der Hund wolle den Fisch retten, indem er versucht, ihn mit Wasser feucht zu halten.

Will der Hund den Fisch wirklich retten? Wissen Hunde, dass Fische sterben, wenn sie nicht im Wasser sind? Ich glaube nicht…

Auch dieser Hund will eine Ressource sichern. In diesem Fall Beute, Fressbares.

Auf welche Weise wird hier eine Ressource gesichert? Im ersten Video durch Zudecken mit einer Decke? Im zweiten Video, indem der Hund Wasser auf den Fisch schiebt? Ich verstehe, dass es zunächst Fragezeichen regnet, wenn ich anhand solcher Videos ein wenig Gänsehaut bekomme und von Ressourcen-Sicherung spreche. Der erste Hund ist doch „total lieb“ und kümmert sich um das Baby. Und der zweite Hund will den Fisch am Leben erhalten, um ihn zu retten. Sie sehen nicht, was ich sehe.

Mit einem dritten Video möchte ich das nun abschließend deutlich machen. Was tut DIESER Hund hier?

Als einziges der drei gezeigten Videos ist es KORREKT überschrieben. Dieser Hund verbuddelt seine Beute.

Fällt hier nicht auf, dass dieser Hund exakt das selbe Verhaltensmuster zeigt, wie die beiden Hunden in den anderen Videos? Der erste ist fürsorglich und deckt das Baby zu, der zweite rettet einen Fisch und der dritte sichert seine Beute.

NEIN, alle drei Hunde tun genau das Selbe. Sie sichern eine Ressource. Im Falle des Babys eventuell die Windel oder gar das Baby selbst. Im zweiten Fall des Fisches will er Beute sichern. Im dritten Video sehen wir, dass Hunde Ressourcen eigentlich eher verbuddeln. Mangels Erde benutzt der erste Hund die Decke und der zweite versucht es mit dem Wasser.

Und nun finde ich besonders das erste Video nicht mehr süß. Da gibt es den Hund, der dieses Verhalten anfangs auch zeigte und alle fanden das da noch „sehr süß“ und deuteten es falsch. Es verselbständigte sich so weit, dass der Hund bald nicht einmal mehr die eigene Mutter an das Baby heranlassen wollte und die Zähne fletschte. Hund und Kind mussten dauerhaft getrennt gehalten werden, um beide versorgen zu können.

Wenn sich ein solches Verhalten erweitert, ausgebaut wird und somit gefährlich für das Umfeld wird, ist es nicht mehr süß.

Mein eigener Rüde vor über 20 Jahren hat auch gerne Ressourcen gesichert. Er hat es „nur“ auf seinen Kauknochen angewandt. Da wir aber nie so genau wussten, WO er den „verbuddelte“, wurde es stellenweise brenzlig. Bevorzugt nutze er die Sofa-Ecken und Kissen. Nun gab es einen Vorfall, wo seine Ressourcen-Sicherung gar nicht mehr „süß“ war. Ein Besucher setzte sich genau auf die Stelle auf das Sofa, wo er kurz vorher (von uns unbemerkt) seinen Knochen gesichert hatte. Er sprang zähnefletschend auf’s Sofa und schnappte nach dem Besucher. Wir konnten uns dieses plötzliche, aggressive Verhalten zunächst nicht erklären. Wir fanden später den Auslöser hinter dem Sofakissen.

Man kann ein ressourcensicherndes Verhalten gerne süß finden. Man sollte sich aber bewusst sein, WAS der Hund da tut und gut beobachten, wie weit er es auslebt. Spätere Probleme, gerade in Bezug auf Familienmitglieder (Babys) dürfen nicht unbeachtet gelassen werden.

Ist Euch der kleine, rote Fleck auf der Nase meiner Ronja ganz oben im Bild aufgefallen? Woher sie den aufgescheuerten Nasenschwamm hat? Sie hat ein Stück fleischigen Knochen unter ihrer Fleece-Decke verbuddelt und sich dabei an der Decke den Nasenschwamm weggescheuert. Keine Sorge, das verheilt immer recht schnell. Aber sie verbuddelt trotzdem immer wieder Ressourcen in ihrem Körbchen.

Liebe Grüße

BETTY

http://www.betty.one

 

Bullshit-Bingo aversiver Methoden im Hundetraining

Wir „Wattebauschwerfer“ und Positivler im Bereich Hundetraining kennen die Gegenargumente zur Genüge, die gebetsmühlenartig verwendet werden, um Gewalt im Training zu begründen. Man begegnet ihnen überwiegend aus der Feder der Fans des bekannten Hundeflüsterers Cesar Millan. Ein normales Bingo-Feld reicht mittlerweile gar nicht mehr aus, um das beliebte Spiel damit zu spielen.

Ronja Portrait 2

Auf einige dieser Floskeln möchte ich mal mögliche Antworten zusammenstellen. Das ist nicht so ganz einfach. Lange Texte werden oft nicht gelesen. Der Kapiervorgang wird bereits nach 2 oder 3 Sätzen abgebrochen. Manche Dinge sind eben sehr schwer in kindgerechten 3-Wort-Sätzen zu erklären. Ein Fan aversiver Methoden hat mir sogar mal entsprechend geantwortet. Ich zitiere: „…immer diese langen Texte auf eine einfache Frage…“. Derjenige war scheinbar deutlich überfordert.

Meiner Meinung nach ist es nicht zielführend, einfach nur Bingo zu spielen. Hin und wieder erreicht man den einen oder anderen Verfechter dann doch mit Argumenten und man kann in eine sachliche Diskussion einsteigen.

Ich versuche also einfache und leicht verständliche Antworten zusammenzustellen und beginne gleich mal mit meinem Favoriten:

„Hunde regeln das untereinander auch nicht freundlich.“ Alternativ dazu auch gerne „Schaut Euch mal an, wie Wölfe das regeln.“ oder auch „Im Rudel sind die auch nicht zimperlich miteinander.“.

Mögliche Antwort:

Mein Hund hat nichts mit anderen, fremden Hunden zu regeln. Ich bin für meinen Hund verantwortlich und hafte für Schäden, die er anrichtet. Also hab ich auch dafür zu sorgen, dass er mit anderen Hunden nichts regeln muss, schon gar nicht mit Gewalt. Einander fremde Hunde bilden kein Rudel und verhalten sich auch nicht wie in einem Rudel. In einem Rudel herrscht Harmonie und Vertrauen. Die Tiere sind miteinander verwandt. Es sind Familien und die sind auch so aufgebaut. Wölfe regeln das nicht auf eine solche Art. Aggressionen gibt es nur gegen RUDELFREMDE Tiere und das kann auch mal mit dem Tod eines Tieres enden. Das möchte ich für meinen Hund nicht. Und da ich kein Hund bin und mein Hund mich auch nicht als Rudelmitglied wahrnimmt, muss ich mich nicht wie ein Hund verhalten. Und schon gar nicht wie ein fremder Hund, der es nötig hat, mit Gewalt zu agieren und gar in Tötungsabsicht handelt (Nackenbiss z.B.).

„Der Hund ist total aggressiv, da geht das nicht anders.“ oder auch „Bei so einem Hund kommst Du mit ‚Gutschi Gutschi‘ nicht weiter“. Auch immer wieder schön: „Das sind ja auch ganz andere Hunde.“

Mögliche Antwort:

Zunächst mal wurde hier „positive Verstärkung“ falsch verstanden. Fair, nett und positiv mit einem Hund zu arbeiten, bedeutet nicht, ihn zu vertätscheln und nur Kekse reinzuschieben. (Hier kann man einen Link dazu einfügen, kann man sich aber auch sparen, weil die eh selten gelesen werden.)

Wenn man erstmal begriffen hat, dass Hunde zu 99% Aggressionen aus Angst zeigen, wird schnell klar, dass aversives Training hier nicht zu einem langfristigen Erfolg führen kann. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und wenn ein Hund Angst hat (beispielsweise um eine Ressource), wird er diese Angst nicht ablegen, wenn man „draufhaut“. Damit deckelt man im besten Fall nur die Symptome und der Hund gibt sich auf. Im Worst-Case wird der Hund seine Aggression steigern, was ihn erst richtig gefährlich macht.

Und wo auf der Welt ticken Hunde anders als bei uns? „Ganz andere Hunde“ findet man wo? Hund ist Hund und alle Hunde ticken neurotypisch weltweit völlig identisch. Sie alle unterliegen den Lerntheorien. Und diese funktionieren IMMER, man muss sie nur kennen und anwenden können.

„Kümmere Dich mal um echten Tierschutz.“ Dieses Argument liebe ich ja besonders. Gerne auch so formuliert: „Kümmere Dich mal um Tiere, die wirklich leiden.“ oder auch „Guck Dir mal an, wie mit Nutztieren umgegangen wird.“

Mögliche Antwort:

Woher weißt Du eigentlich, wo und wie ich mich (nicht) engagiere? Ich diskutiere hier zu aversiven und gewaltbehafteten Methoden. Dein Abschweifen ist hier irgendwie OffTopic. Was ist eigentlich „echter Tierschutz“ oder „echtes Tierleid“? Wenn ein Hund im Zuge eines Trainings Angst, Schmerz und Unterdrückung erfährt, ist das Deiner Meinung nach also nicht echt. Das kann man vernachlässigen…!? Wohingegen das Leid der Hunde im Ausland „echt“ ist.

(Kurzer Einwand: Darauf folgt ganz oft die Argumentation, dass die Tiere im Ausland oder in der Nutztierhaltung ja sterben müssen. Im Training sollen sie ja gerettet werden.)

Im Übrigen ist eine Argumentation nicht zielführend, die darauf setzt, ein Leid gegen das andere aufzuwiegen. Damit sollen veraltete und gewaltbehaftete Trainingsmethoden relativiert werden. Das gefällt mir gar nicht. Ich kann auch nicht mein Kind schlagen und damit argumentieren, dass es Kindern in Afrika ja noch schlechter geht, weil sie hungern müssen. Das geschlagene Kind wird das nicht interessieren und den Schlag für sich deswegen auch nicht anders einordnen. Auch ein Hund empfindet Gewalt als Gewalt. Er hat nicht weniger Angst vor Strafe und Schmerz, wenn ich ihm sage, er soll sich nicht so anstellen, schließlich werden in Rumänien Hunde noch viel schlimmer behandelt.

Cesar Collage

„Das ist doch kein Leinenruck, das ist nur ein Impuls.“
„Der tritt doch den Hund nicht, der stubbst den bloß an.“
„Der würgt den Hund nicht, das tut dem nicht weh.“

Die Klassiker im Rechtfertigen aversiver Methoden.

Mögliche Antwort:

Schreck- und Schmerzäußerungen beim Hund sind sehr subtil. Da Cesar Millan selbst Körpersprache nicht deuten kann und Signale übersieht, wundert es nicht, dass auch seine Fans es nicht können. Reaktionen auf Schmerz, Druck und Schreck sind beispielsweise die typischen Beschwichtigungssignale (Nase lecken, Augen zukneifen, Ohren anlegen, Kopf abwenden, hinsetzen, gähnen, schlucken…). JEDER Hund, der von Cesar geruckt, angezischt, getreten und gewürgt wird, zeigt mindestens diese Signale. Gerade beim Tritt in die Flanke/Bauchraum oder dem Knuff mit der Krallenhand gegen den Hals zeigen sie zusätzlich extremes Meideverhalten. Sie springen zur Seite, wollen Distanz aufbauen, meiden. Oft zeigen sie auch lautsprachlich, dass sie Schmerzen haben. Sie quietschen auf, bellen kurz, fiepen oder jaulen. Lautäußerung aufgrund von Schmerz oder Schreck ist schon sehr extrem. Dann muss der Schreck oder die Schmerzeinwirkung schon hoch gewesen sein. Hier ab Minute 5.00 sehr schön zu sehen, wie BearBear diese angeblich harmlose Berührung empfindet. Das ist ein Schmerzlaut. Cesar macht sich darüber lustig (Drama-Queen) und das Publikum lacht. Da wird einem Hund Schmerz und Schreck AUF DER BÜHNE zugefügt und die Menschen lachen darüber.

 

Nun etwas dazu, dass Cesar keine Hunde würgt. Er verwendet eine sehr dünne Würgeschlinge als Halsung, die er weit oben hinter den Ohren am Hundehals platziert und eng zusammenzieht. Wie kann man sich da etwas schönreden? Beim geringsten Zug bei diesem Konstrukt füge ich dem Hund Schmerzen zu. Die Leine drückt SOFORT und zuverlässig auf die Nervenbahnen am Hals und auf die Carotis-Arterie. Die Blutzufuhr zum Gehirn wird abgeschnürt. Zusätzlich wird Druck auf das Zungenbein ausgeübt, der Hund hat Schluckbeschwerden. Und da beginnt der Teufelskreis des Hundes. Er erfährt durch den Ruck Schmerz, bekommt (wenn auch nur kurz) keine Luft und will dem entgehen. Beim Versuch, Distanz aufzubauen, zieht sich die Schlinge zu. Der Hund bekommt Angst, die sich bis zur Panik steigert, weil NICHTS hilft, um dem zu entkommen. Je mehr er zieht und sich windet, umso schlimmer wird es. Cesar zieht die Leine hoch, der Hund verliert den Bodenkontakt mit den Vorderläufen. Das kann man damit vergleichen, wenn ein Mörder sein Opfer quält, indem er es mit der Schlinge um den Hals so weit hochzieht, dass das Opfer noch mit den Zehenspitzen tänzeln kann, um noch ein wenig Luft zu bekommen. Das tut sicher nicht weh und wenn Du in so einer Situation wärst, wirst Du sicher ganz ruhig und entspannst Dich, oder? Die „tanzenden Windhunde“ haben sicher auch nicht gelitten, während sie einen qualvollen Tod durch Erwürgen/Ersticken erleben mussten. Immerhin hatten sie die Hinterläufe noch am Boden, dann würgt die dünne Leine doch nicht. Woran sind sie dann gestorben?

„Macht Ihr es doch erstmal besser. Ihr traut Euch an solche Hunde ja gar nicht erst dran.“

Mögliche Antwort (aus meiner Sicht als Trainerin):

Tue ich jeden Tag. Und ich kläre jeden Tag darüber auf, wie schädlich und unfair Cesar Millans Methoden sind. Was genau meinst Du mit „an solche Hunde“? Was darf es denn sein?

Der ressourcenaggressive Rottweiler mit 40kg Gewicht? Seine einzige Warnung war zu Beginn des Trainings das Hochziehen der linken Lefze. Nächster Schritt war der Einsatz der Zähne. Und dieser Hund wurde genau so, weil ein CM-Trainer sich an ihm ausgetobt hatte. Da war der Drops 4 Monate alt. Er wurde geknufft, angezischt und in seinem Korb brutal auf den Rücken gedreht. Der kleine Drops hat vor Panik geschrien und unter sich uriniert. Seitdem war für ihn klar, ich muss schneller reagieren und bestenfalls gleich zubeißen. Heute ist er 1 Jahr alt, wiegt 40kg und wir haben ihm langsam und mit Bedacht und unter der Beachtung seiner Bedürfnisse beigebracht, dass er Menschen vertrauen kann und um nichts fürchten muss.

Oder der Herdenschutzhund-Mix aus Kroatien, der Frust nicht ertragen kann und sich dann gegen den Halter wendet, diesen anspringt und in die Arme schnappt? Der wird wattebauschmäßig geclickert, bekommt Alternativ-Verhalten aufgezeigt und wir sind mit Bindungsarbeit auf einem guten Weg.

Sind das zwei würdige Red-Zone-Fälle, die aus Deiner Sicht Referenz genug sind? Desweiteren lade ich Dich sehr gerne zu mir ein, wenn ich mal bei einem „solchen Hund“ zum Training bin, dann kannst Du mir mal über die Schulter schauen und Dein Bild vom Wattebauschwerfer neu malen.

(Anmerkung am Rande: KEIN Verfechter aversiver Methoden hat das Angebot jemals angenommen. Dabei haben wir eine hübsche kleine und bezahlbare Ferienwohnung gleich gegenüber.)

„Er rettet die Hunde vor dem Tode / der Einschläferung.“

Mögliche Antwort:

Herr Cesar Millan alleine und einzig auf der Welt rettet also Hunde vor der Einschläferung. Seine TV-Sendung ist eine Show. Es ist gescriptet, folgt einem Drehbuch. Viele Szenen werden vorgegeben oder der Hund im Vorfeld provoziert, damit die eigentliche Szene später dramatisch aussieht. Dazu gehört natürlich auch die Verzweiflung der Besitzer, deren „letzte Rettung“ Cesar ist. Und der Satz „Wenn er nicht helfen kann, muss er eingeschläfert werden.“ ist ein schönes Stilmittel für die Show. Beweisen, dass die Spritze für genau diesen Hund schon aufgezogen ist, kann niemand. Ich hätte gerne Belege für die Behauptung, er würde Hunde retten. Mir sind eher Fälle bekannt, die später doch die Familie verlassen mussten, eingeschläfert wurden oder deren Verbleib unklar ist. Jonbee z.B., der von Cesar niedergerungen, gewürgt und bis zur Bewusslosigkeit unterdrückt wurde, hat später seinen Halter böse gebissen und wurde abgegeben. Ich vermute in ein Tierheim. Eine schnelle Vermittlung in ein neues Zuhause war nach dem Vorfall nicht möglich. Die Abgabe ins Tierheim bedeutet für einen derart aggressiven Hund in Amerika den Tod, leider.

Hunde werden täglich von vielen, vielen Trainern, Tierschützern und Organisationen gerettet. Dafür gibt es zahlreiche Belege, Videos und auch TV-Sendungen. Und jeder Trainer hört irgendwann von verzweifelten Haltern den Satz „Wir müssen ihn einschläfern lassen, wenn Sie uns nicht helfen können.“. Ja, auch deutsche Trainer bekommen das zu hören. Allerdings retten zahlreiche Menschen täglich auf der ganzen Welt Hunde vor diesem Schicksal, ohne ihnen zusätzlich Leid und Schmerz zuzufügen. Der Zweck heiligt hier bitte NICHT die Mittel.

„Ihr seid ja nur neidisch.“

Das Neid-Argument ist mir ja fast das liebste von allen. Und es ist so schön einfach zu entkräften.

Mögliche Antwort:

Du versuchst also, mich mit dem Neidargument in den Boden zu stampfen. Weil „Neid“ ja auch so negativ behaftet ist, gleichgesetz mit „Mißgunst“ und „Hetze“. Neid ist keine negative Eigenschaft. Ganz im Gegenteil. Neid ruft in uns Ehrgeiz hervor und Tatendrang. Es hilft uns dabei, an einer Sache dranzubleiben und sie mit Nachdruck zu verfolgen. Neidisch ist man auf Dinge oder Errungenschaften, die man selbst für erstrebenswert hält und erreichen möchte. Auf etwas, das ich ablehne, das mich traurig und wütend macht und wogegen ich vehement argumentiere, weckt in mir keinen Neid. Ich erachte es nicht als erstrebenswert, meinen Erfolg auf dem Leid von Hunden aufzubauen. Ich strebe es nicht an, Hunde zu unterdrücken, sie nach veralteten Methoden zu erziehen und sie zu brechen oder in die erlernte Hilfosigkeit zu treiben. Nein, darauf kann ich nicht neidisch sein. Außerdem hat Herr Millan hier in Deutschland die Sachkundeprüfung nach §11 Tierschutzgesetz zum Trainieren von Hunden und Anleiten Dritter im Hundetraining nicht bestanden. Ein Gericht hat sogar nach Klageeinreichung offiziell geurteilt, dass Herr Millan ein Tierquäler ist und seine Methoden gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Darauf soll ich neidisch sein, wo ich doch selbst diese Genehmigung besitze…? Finde den Fehler.

Hier kann man dann noch den Link zum Urteil der niedersächsischen Justiz anfügen und daraus zitieren:

http://www.rechtsprechung.niedersachsen.de/jportal/?quelle=jlink&docid=MWRE140003081&psml=bsndprod.psml&max=true

„Der Kontakt der Hunde mit dem Antragsteller beschränkt sich dabei keineswegs auf die bis zu zehnminütige Bühnensequenz. Vielmehr werden nach den Vorbringen der Antragsgegnerin etwa vier Stunden vor Beginn der Show die Hunde vom Antragsteller ausgewählt und hinter der Bühne zusammen mit den Tierhaltern auf ihren Einsatz in der Show vorbereitet. Nach den Erkenntnissen der an der Auswertung der vom Antragsteller zugeleiteten Filmsequenzen und öffentlich über das Internet zugänglichen Videos von vergleichbaren früheren Auftritten des Antragstellers beteiligten Tierärzte wurden die Hunde unter anderem durch den Einsatz von Würgeschlaufen sowie durch gezielte Schläge und Tritte auf den Kehlkopf und in den Nierenbereich verbunden mit bestimmten Zischlauten innerhalb kürzester Zeit derart konditioniert, dass sie auf der Bühne das unerwünschte Verhalten nicht mehr zeigten, dafür aber deutliche Anzeichen von Verängstigung, Verunsicherung, Meideverhalten und Stress erkennen ließen.“

Abschließend möchte ich noch darum bitten, meine Argumentationsbeispiele als Anhaltspunkt für eigene Antworten zu nehmen und diese mit eigenen Worten widerzugeben. Aufgrund des Urheberrechtes solltet Ihr meinen Blog nicht als Copy&Paste-Vorlage verstehen, danke.

Wie eingangs gehofft konnte ich mich nicht kurzfassen. Wenn Ihr doch auf eine kurze, aber knackige Antwort Lust habt, dann könnt Ihr es ja so halten wie kürzlich ein Fan mit seiner aussagekräftigen Buchrezension zu einem von Herrn Millans Büchern:

„Buch super“

Mögliche Antwort:

„Cesar doof“

In diesem Sinne…

Liebe Grüße

BETTY
http://www.betty.one