„Mit der Natur des Hundes“ – Klappsen, Schubbsen, Rempeln

Was ist bloß los in Hundetrainer-Kreisen…?

Immer öfter liest man von „natürlichen Erziehungsmethoden“, von „tierorientiertem Training“ oder „Training mit der Natur des Hundes“. Was verbirgt sich dahinter, wenn man mal ein wenig an der Fassade kratzt?

Aversives Training, Alphatheorie und „Sei der Rudelführer“

Heiner Geissler

Etliche Menschen bieten in Deutschland ihre Dienste als Hundeflüsterer an. Oft wird schon auf der Homepage ganz oben darauf hingewiesen, dass man nicht mit Futter arbeitet. Positive Trainer werden gleich mal in die Ecke der Wattebauschwerfer gestellt und nur man selbst hat die „Natur des Hundes“ erkannt und arbeitet über Körpersprache, weil der Hund alles andere sowieso nicht versteht. Abgrenzung ist gut und richtig. Jeder möchte für sich ein Alleinstellungsmerkmal finden. Aber mal ehrlich:

Das gibt es im Bereich des Hundetrainings nicht. Es gibt nicht DIE Methode, oder den einzig richtigen Umgang. Das Rad kann keiner neu erfinden. Entwicklung, Forschung und neue Erkenntnisse ignorieren kann man hingegen schon. Das dann als Training „mit der Natur des Hundes“ zu verkaufen, ist dann nur noch Marketing und Rhetorik.

Das Tierschutzgesetz muss man an der Stelle nicht weiter erwähnen. Das sagt eindeutig, dass keinem Tier zu Trainingszwecken Schmerz, Angst und Leid zugefügt werden darf. Jeder, der mit Hunden arbeitet, sollte es kennen und befolgen. Die Praxis sieht da leider anders aus.

Und dann schaut man sich an, wie denn so ein „Rudelführer“ natürlich arbeitet und bekommt Tränchen in die Augen. Schon nach wenigen Minuten wird aus einem entspannten Hund, der locker seine Umwelt erkundet ein eingeschüchterter und beschwichtigender Hund. Ist das natürlich?

Der „Trainer“ nimmt die Leine in die Hand und beginnt schonmal ordentlich an der Leine zu rucken. Der Hund trägt lediglich ein Halsband und quittiert diese Ruckerei auch prompt mit Beschwichtigung. Die Ohren gehen zurück, die Rute senkt sich, er blinzelt und leckt sich die Schnauze, versucht den Blick abzuwenden und Distanz zu schaffen.

Und was folgt vom „Rudelführer“? Natürliche Korrektur mit Körpersprache, indem er ihn mehrfach mit der flachen Hand seitlich gegen Brustkorb und Flanke schlägt. Das Ganze erklärt er mit der natürlichen Körpersprache des Hundes. „Hunde sind rempelnde Tiere“, ergänzt er im Brustton der vollen Überzeugung.

Rempeln, Schubbsen, Schlagen, Rucken am Halsband sind also natürliche Verhaltensweisen unserer Hunde. Rhetorisch geschickt verpackt kommen diese Erklärungen beim Empfänger an. Da nickt selbst der Reporter zustimmend und die Kommentare auf den Facebook-Fanseiten solcher Trainer überschlagen sich. Die Kommentare für das Video auf YouTube sind übrigens deaktiviert. Warum wohl?

Die aggressive Arbeitsweise dieser „Rudelführer“ zeigt sich auch im Umgang mit Menschen. Kritische Kommentare werden umgehend gelöscht, Kommentatoren auf den Facebook-Seiten gesperrt und dann wird auch schon mal mit dem Anwalt gedroht, weil man sich getraut hat, diese Methoden als das zu bezeichnen, was sie sind, nämlich tierquälerisch und tierschutzrelevant.

Vorbild für all die Trainer, die „mit der Natur des Hundes“ zu punkten versuchen, scheint ein amerikanischer „Rudelführer“ zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass hierzulande immer mehr Menschen mit der Psychologie des Hundes arbeiten? „It’s all psychological.“, sagt er und tritt die Hunde mit dem beschuhten Fuß in die Flanke oder haut ihnen die Krallenhand gegen den Hals. Das ist nicht PSYCHOlogisch, das ist PHYSIOlogisch.

Einen Rat habe ich abschließend noch für alle „Rudelführer“ da draußen:

Wenn Ihr schon „back to the roots“ gehen wollt und Euch selbst als Hund und somit Rudelmitglied seht, dann bitte mit allen Konsequenzen. Ihr esst also bitte am Boden auf allen Vieren und knurrt Euren Hund weg. Ihr schnüffelt Eurem Hund zur Begrüßung die Analregion und das Genital ab, Belecken darf natürlich auch nicht fehlen. Das steht nur dem Alpha zu, der Rangniedrigere muss das dulden. Und vergesst nicht, draußen das Revier zu markieren. Möchte Euer Hund das tun, beißt ihn bitte ordentlich in den Nacken und beansprucht die Stelle für Euch, indem Ihr den Baum bepinkelt.

Wenn Ihr Euren Hund dann füttert, müsst Ihr kreativ werden. „Hunde teilen kein Futter.“, war so eine Aussage. Wie gebt Ihr Eurem Hund das Futter, ohne dass er bemerkt, dass es von Euch kommt? Der Alpha teilt ja nicht.

Vielleicht reicht es ja, ihn ab und an einfach mal anzurempeln. Oder wie hieß es in einem Interview…? „Ein Klapps ab und zu ist besser als ein Leckerchen.“

Liebe Grüße

BETTY
http://www.betty.one

 

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