Erklärungen eines Hundeflüsterers

Jeder Trainer sollte seinen Kunden natürlich Hundeverhalten erklären können und er sollte auch erklären können, warum er Dieses oder Jenes tut oder dazu rät. Einer, der im TV sehr präsent ist und sich selbst „Hundeflüsterer“ nennt, greift dabei oft zu besonders absurden Erklärungen. Den schlimmsten möchte ich mich mal widmen.

„A pinched tail creates fear. I hold it like that…“

…sagt er und hält die Rute des Hundes nach oben.

Aha…!? Eine eingeklemmte Rute führt also dazu, daß der Hund Angst hat. Wenn ich sie hoch halte, verschwindet auch die Angst. Klingt das logisch? Nein, ganz und gar nicht. Die Stellung der Rute spiegelt die Stimmung, bzw. die Emotion des Hundes. Das Gehirn sendet ein Signal (Angst) und der Körper reagiert mit nicht bewusst steuerbaren Verhaltensweisen. Beispielsweise wird die Rute unter den Bauch gezogen. Das ist eine Reaktion auf die Emotion. Nicht andersrum…! Wenn ich die Rute nun hoch halte, sieht der Hund vielleicht nicht mehr so ängstlich aus. Die Emotion verändere ich aber nicht. Dieser „Hundeflüsterer“ glaubt tatsächlich daran, wenn man mit Zwang die Körperhaltung des Hundes verändert, verändert sich auch seine Emotion.

„Look at the eyes. In the state of fight they turn to green.“

Hundeaugen leuchten also grün, wenn der Hund in den Kampf-Modus schaltet. Man muß nur auf die Augen achten und man sieht sofort, wann der Hund bereit ist, anzugreifen.

Bei meiner leuchten sie blau. Was bedeutet das nun? Es mag ja sein, daß sich der Schimmer in den Augen je nach Stimmung verändert. Geweitete Pupillen lassen mehr Licht durch und je nach Lichteinfall können die Augen einen farblichen Schimmer bekommen. Mit der Stimmung des Hundes hat das aber nichts zu tun (zumindest nicht primär). Pupillen weiten sich aus den unterschiedlichsten Gründen. Einem Hundehalter zu raten, er solle auf die Augen seines Hundes achten, weil er daran ablesen könne, dass er in den Kampf-Modus schaltet, klingt dermaßen absurd.

Sandras - a

„We need the state of panic, because the brain switches to relaxation.“

Das war eine Aussage während er einen Hund bis zur Erschöpfung im Pool schwimmen ließ. Der Hund war offenbar ungeübt im Schwimmen, fühlte sich deutlich unwohl und paddelte quasi um sein Leben. Und nun meint der „Hundeflüsterer“, man bräuchte noch den Zustand der Panik. Das sei gut für das Gehirn, damit es auf Entspannung umschalten könne. Ernsthaft…!? Wer von meinen Lesern nickt jetzt zustimmend mit dem Kopf und sagt sich „Yes, der Mann hat Plan. Das kann ich nachvollziehen?“. Ich muß einen Hund in den Zustand der Panik bringen, damit er sich entspannt. Da dieser „Hundeflüsterer“ desöfteren die psychische und physische Aufgabe des Hundes (auch „erlernte Hilflosigkeit“ genannt) mit Entspannung verwechselt, wundert mich diese Aussage nicht. Lerntheoretisch ist sie völliger Blödsinn.

„This dog is dominant and became the packleader, because he is unsure.“

Muß ich dazu noch etwas sagen, oder kommt der geneigte Leser selbst drauf? Der Hund ist dominant und übernimmt die Rudelführung, weil er unsicher ist. Wie kann man sich in EINEM Satz derart widersprechen…!? Und die Halter sitzen auf dem Sofa, lächeln und nicken. Weil das so furchtbar logisch klingt? Oder weil der „Hundeflüsterer“ es mit einer solchen Überzeugung und einem gewinnenden Lächeln rüberbringt? Ich glaube eher an Letzteres. Wer auch nur eine Sekunde über diesen Satz nachdenkt, muß einfach zu dem Schluss kommen, dass da inhaltlich was nicht stimmen kann.

Ich könnte ewig so weitermachen, aber ich beende das mit meinem Lieblingssatz dieses „Hundeflüsterers“:

„I didn’t see that coming…“

Den hat er nicht nur einmal gesagt und es wundert mich nicht. Er provoziert einen Hund mit Futteraggression bis auf’s Äußerste. Der Hund weicht zurück, beschwichtigt deutlich und sichtbar. Er bedrängt ihn weiter, bedrohlich, zischt und knufft den Hund. Als er dann (fälschlicher Weise) ausführt, der Hund entspanne sich nun, will er mit der Hand, die vorher gemaßregelt hat, streicheln und der Hund beißt zu. Hat er nicht kommen sehen. Völlig klar. Wenn man Hundesprache nicht ansatzweise versteht und sich selbst derart überschätzt, kann man unmöglich voraussehen, daß der Hund im nächsten Moment beißen wird.

In einer anderen Szene läßt er einen artgenossenaggressiven Hund ungesichert in seinem „Rudel“ laufen. Er hat ja schließlich mit seiner Energie alles im Griff. Es entsteht eine angespannte Situation, der Hund wird kurz steif und schiebt seinen Kopf über den Rücken eines anderen. Und BÄÄMMM, gibt es eine Beißerei, bei der beide Hunde verletzt werden. Auch da haut er es wieder raus:

„I didn’t see that coming…“

Ein Armutszeugnis für einen Hundetrainer, dem man seinen Hund anvertraut hat. Und der nun verletzt aus einer Beißerei herausgeht, weil der Trainer es nicht hat kommen sehen.

Liebe Grüße

BETTY

www.betty.one

Quellenangabe zu den Aussagen:

Die Aussage, der Hund sei dominant und der Rudelführer, weil er unsicher sei, stammt aus Staffel 4, Folge „Hula“ (italienisches Windspiel):

https://www.youtube.com/watch?v=cffj0vOBWsc

Die Aussage, eine eingeklemmte Rute muß man hochhalten, dann verschwindet die Angst, stammt aus der Folge „Jake – Imprisoned Dog“ und dies sagte er auch bei einem Viszla, der in der Stadt Angst hatte und dem er sogar die Rute mit einem Leinenkonstrukt hochgebunden hat. Ebenfalls stammt die Aussage aus der Folge „Babygirl“.

https://www.youtube.com/watch?v=9iUeD4oxGLs&t=24s

Die Aussage zum Zustand der Panik stammt aus „Cesar 911 – Folge Opal“ (leider nicht mehr in kompletter Länge zu finden, läuft aber am 16.04.2017 auf Sixx):

https://www.youtube.com/watch?v=qfTZv1g6GOM

Und „I didn’t see that coming“ stammt u.a. aus der berühmten und berüchtigten Folge „Holly“:

https://www.youtube.com/watch?v=9ihXq_WwiWM&t=5s

Daß Hundeaugen einen grünen Schimmer bekommen, bevor der Hund in den Kampfmodus schaltet, erklärte Cesar in einer Folge auf einem Flughafen. Dort wurden 4 Hunde in einzelnen Zwingern gehalten und zu Spürhunden ausgebildet. Ein Labrador mischte die anderen auf und reagierte aggressiv besonders auf den deutschen Schäferhund. Die Folge finde ich leider online nicht. Sie lief Anfang des Jahres auf Sixx.

 

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